Tabak : Kann rauchen "Bio" sein?

Bio bedeutet gesund, sagen die Kläger. An diesem Freitag muss ein Gericht entscheiden, ob die Bezeichnung "Bio-Tabak" zulässig ist.

Jost Müller-Neuhof
Tabak
Streit ums Kraut. Tabakblätter beim Trocknen. -Foto: dpa

Berlin - Wer raucht, hat weniger vom Leben. An dieser Feststellung dürfte, rein biologisch betrachtet, nichts zu deuteln sein. „Bio“ hatte deshalb trotz Biokost, Bioläden, Biosaft, Bionade und anderen Begriffen und Produkten, die derzeit in aller Munde sind, mit Zigaretten, Pfeifen und Tabak wenig zu tun. In diese Nische war die Santa Fe Natural Tobacco gestoßen, ein Zigarettenhersteller mit Sitz in Hamburg, der in den vergangenen zehn Jahren erfolgreich eine neue Marke etablierte: „Natural American Spirit“, erkennbar an einem stolzen Indianer im Logo, der vor untergehender Sonne Friedenspfeife schmaucht. „100 Prozent Bio- Tabak“, hieß es auf einem Flyer, dazu: „Biologisch abbaubarer Papierfilter“ und „Tabak ohne Zusatzstoffe“. Hinweise, die Verbraucherschützer zum Kochen brachten. An diesem Freitag muss deshalb erstmals ein Gericht entscheiden: Darf selbst das Rauchen Bio sein?

Darf es nicht, sagt der Bundesverband der Verbraucherzentralen und hat die Firma vor dem Hamburger Landgericht wegen unlauteren Wettbewerbs verklagt. „Bio-Tabak klingt, als sei es gesundheitlich unbedenklich, ihn zu rauchen“, sagt Referent Thomas Bradler. „Ein klarer Verstoß gegen das Tabakgesetz.“ Dort heißt es tatsächlich, dass jede Werbung verboten ist, die den Genuss von Tabak als unbedenklich erscheinen lässt oder sogar den Eindruck erweckt, Rauchen steigere das Wohlbefinden oder könne „Funktionen des Körpers“ günstig beeinflussen. Nun steht allerdings auch auf der Packung: Rauchen kann tödlich sein. Eine deutliche Botschaft. Ob die Bezeichnung „Bio-Tabak“ den arglosen Verbraucher vor diesem Hintergrund wirklich noch auf die falsche Fährte führen kann, hielt die zuständige Kammer für Handelssachen, die den Fall vor kurzem mündlich verhandelt hatte, für zweifelhaft. Allerdings enthält das Gesetz noch ein weiteres, fast expliziteres Verbot. Die Verbindung von Tabakerzeugnissen mit Begriffen wie „natürlich“ oder naturrein“ ist demnach nicht zulässig. Selbst wenn der Indianertabak tatsächlich aus biologischem Anbau stammt und naturbelassen ohne Zusätze produziert wird – also das ist, was Kunden unter „Bio“ verstehen: für Werbung wäre der Hinweis darauf verboten, argumentieren die Verbraucherschützer.

Das Hamburger Unternehmen will gegenüber der Presse dazu nichts sagen. Vor Gericht hatte es auf Vorschriften des US-amerikanischen Landwirtschaftsministeriums und die EG-Verordnung für ökologischen Landbau verwiesen. Was in den USA gilt, ist für uns unerheblich, kontern die Verbraucherschützer. Und die aktuelle EU-Öko-Verordnung beschränke sich auf Lebensmittel – Zigaretten gehörten nicht dazu. Man wolle die Rauchware in „unverfälschtem“ Zustand anbieten, heißt es auf der Website des Herstellers. In kreativen, urbanen Milieus wird gerne zu „Natural American Spirit“ gegriffen. Freunde konventionellen Industrietabaks lästern allerdings, der amerikanische Geist kratze im Hals.

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