Welt : Täter terrorisieren weiter

Die Schulleitung in Hildesheim weigert sich, sie zu suspendieren

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Hildesheim/Erding/Coburg (dpa). Nach den monatelangen Gewaltexzessen an einer Berufsschule in Hildesheim (Niedersachsen) herrscht dort ein Klima der Angst. Zeugen der Misshandlungen eines 17Jährigen seien eingeschüchtert, weil nicht verhaftete mutmaßliche Täter weiter zur Schule gingen, sagte Oberstaatsanwalt Albrecht Stange am Freitag. Schule und Bezirksregierung in Niedersachsen entschieden am Freitag, die Beschuldigten sollten auch weiterhin am Unterricht teilnehmen.

„Auf diese Art wollen wir einer Vorverurteilung keinen Vorschub leisten“, sagte Schulleiter Hans-Hermann Sölter zur Entscheidung, die Schüler nicht zu suspendieren. Sie sollten wie geplant am Montag ein Praktikum beginnen. Nach den Vorgängen in Hildesheim steht auch das Verhalten der Lehrer in den Pausen auf dem Prüfstand. „Das irritiert alle, dass das so lange nicht aufgetaucht ist“, sagte ein Sprecher des niedersächsischen Kultusministeriums am Freitag in Hannover.

In Coburg wurde nach Polizeiangaben ein erst 13 Jahre alter Junge am Donnerstag an einer Bushaltestelle so schwer zusammengeschlagen, dass er das Bewusstsein verlor. Mitschüler hätten tatenlos zugesehen, erst eine Anwohnerin habe Alarm geschlagen. Die 13 und 14 Jahre alten Schläger seien festgenommen worden. Den Älteren erwartet ein Verfahren wegen Körperverletzung. Der 13-Jährige ist strafunmündig.

Ihr Opfer kam mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus. Der Junge sei in der Vergangenheit von einem der Schläger mehrfach aufgefordert worden, für ihn Geld zu stehlen, hieß es. Als er sich weigerte, sei er verprügelt worden.

In Prüm wurde ein 16 Jahre alter Schüler in Untersuchungshaft genommen, weil er einen Gleichaltrigen mehrfach und ohne Anlass zusammengeschlagen hatte. Der Schüler habe als Motiv angegeben, sein Mitschüler sei ihm auf die Nerven gegangen, teilte die Staatsanwaltschaft Trier mit.

Erst am Donnerstag war bekannt geworden, dass ein Trio von 15- Jährigen im bayerischen Landkreis Erding einen 14 Jahre alten Mitschüler mindestens zwei Wochen lang misshandelt und dabei gefilmt hatte. Sie wollten die Bilder ins Internet stellen. Die Täter hatten unter anderem den Kopf des Opfers mehrfach während der Unterrichtspausen in die Toilettenschüssel gesteckt.

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