Tag gegen Lärm : "Unsere Metropolen dröhnen weiter"

Nach Angaben der Deutsche Gesellschaft für Akustik leiden 60 Millionen Menschen in Deutschland unter Lärm. Jeder vierte Jugendliche leidet an einem Hörschaden. Größte Lärmquelle bleibt der Verkehrslärm.

Berlin - Grund für die Hörschäden bei Jugendlichen sei vor allem das Hören lauter Musik, teilten die Deutsche Gesellschaft für Akustik und die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft mit. "Drei Prozent der Jugendlichen tragen heute schon Hörgeräte", sagte Jutta Vestring, Geschäftsführerin der Genossenschaft. An diesem Mittwoch wird weltweit der "Tag gegen Lärm" begangen. Bundesweit finden dazu 126 Aktionen statt.

Beim Musikhören über Kopfhörer oder im Autoradio setzten sich Jugendliche Geräuschpegeln bis zu 120 Dezibel aus, ergänzte Vestring. Ab Dauerschallpegeln von 65 Dezibel gilt Lärm als gesundheitsschädlich. Viele Teenager wüssten gar nicht, dass ein eingeschränktes Hörvermögen nicht heilbar sei, betonte Vestring. "Da fehlt das Bewusstsein." Discotheken versuchen zu hohen Geräuschpegeln bereits seit zwei Jahren mit einem "DJ-Führerschein" entgegenzuwirken. Rund 1700 der 3000 Disk-Jockeys hätten einen Kurs absolviert, teilte der Bundesverband Deutscher Discotheken mit. Im Baugewerbe sollen leisere Maschinen und Werkzeuge sowie ein Gehörschutz ab 80 Dezibel Erkrankungen der Ohren entgegenwirken.

Mehr Verkehr - mehr Lärm

Nach Angaben der Deutsche Gesellschaft für Akustik leiden 60 Millionen Menschen in Deutschland unter Lärm. 16 Prozent von ihnen sind Schallpegeln über 65 Dezibel ausgesetzt. Die größte Lärmquelle bleibt der Verkehrslärm. "Unsere Metropolen dröhnen weiter", sagte Brigitte Schulte-Fortkamp, Professorin von der Technischen Universität Berlin. Die bisherigen Schutzmaßnahmen seien durch ein erhöhtes Verkehrsaufkommen wieder überrundet worden.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) prangerte vor allem den nächtlichen Lärm durch Güterzüge an. "Mehr Güter auf der Schiene sind aus Umwelt- und Klimagründen zu begrüßen", sagte der VCD-Vorsitzende Michael Gehrmann. Bis zu 40 Jahre alte Waggons und betagte Schienenstränge verringerten allerdings die Lebensqualität der Anwohner erheblich. Besonders betroffen seien die Täler an Mittel- und Oberrhein, durch die nachts besonders viele Güterzüge ratterten. Gehrmann regte an, die Trassengebühren in Zukunft nach dem Alter und Zustand der Güterwagen zu bemessen. "Das lässt sich auch mit EU- Recht vereinbaren", ergänzte er. (tso/dpa)

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