Welt : Tage der Entschleunigung

Eisregen legt Verkehr in Deutschland teilweise lahm / Salz wird knapp / Lage an Flughäfen entspannt sich

Berlin/Frankfurt am Main - Eisregen und Blitzeis haben am großen Reisetag vor Heiligabend den Verkehr in Deutschland teilweise lahmgelegt. Straßen wurden zu gefährlichen Rutschbahnen, in verspäteten Zügen drängelten sich die Menschen, auf teils spiegelglatten Autobahnen ging nichts mehr. Zwei Menschen kamen bei Verkehrsunfällen ums Leben. Und neuer Schnee ist schon in Sicht.

Entwarnung wenigstens im Flugverkehr: Am Frankfurter Flughafen entspannte sich die Lage. Nach tagelangen Flugausfällen lief auch auf dem größten europäischen Flughafen in London-Heathrow fast alles wieder normal. Die größten Probleme im Luftverkehr gab es in Dublin und Paris, wie die europäische Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol in Brüssel berichtete. Im Schnitt seien die Flugzeuge um 80 Minuten verspätet gewesen. In Wien, Prag und Athen führte Nebel zu Verspätungen.

Eisregen und Glätte brachten vor allem in Nord- und Ostdeutschland den Straßenverkehr ins Rutschen. Eine bis zu fünf Zentimeter dicke Eisschicht bildete sich mancherorts auf den Fahrbahnen. Bei einer Massenkarambolage auf der Autobahn 9 (Berlin-München) kam bei Weißenfels in Sachsen-Anhalt ein Mann ums Leben. 51 Fahrzeuge waren in die Unfallserie auf eisglatter Fahrbahn und bei Nebel verwickelt. Zehn Menschen wurden verletzt. Bei dem Unfall zwischen Bad Dürrenberg und Naumburg krachten 45 Autos, vier Lastwagen und zwei Transporter ineinander. Auf der wichtigen und stark befahrenen Nord-Süd-Route bildete sich ein zehn Kilometer langer Stau in Richtung München. In Schleswig-Holstein starb ein 18-Jähriger nach einem Unfall bei Reinbek. Sein drei Jahre jüngerer Beifahrer wurde schwer verletzt. Ihr Wagen war auf glatter Fahrbahn gegen einen Baum geprallt.

Auf der wichtigsten Ost-West-Trasse, der Autobahn 2, kam der Verkehr nahezu zum Erliegen. Zwischen Hannover und der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt staute sich der Verkehr am Abend in beiden Richtungen auf 100 Kilometer Länge. „Seit Stunden geht hier fast gar nichts mehr. Nur Schritttempo ist möglich“, sagte Holger Heuer von der Verkehrsmanagementzentrale Niedersachsen. Die Streufahrzeuge kamen kaum durch. Blitzeis hatte am Morgen die Autobahn 24 Berlin-Hamburg lahmgelegt. Auf der A1 zwischen Hamburg und Lübeck spitzte sich die Situation ebenfalls zu, es gab mehrere Glätteunfälle mit Verletzten.

Mehr als sechs Stunden war wegen massiver Schneeverwehungen der Zugverkehr zwischen Oldenburg und Puttgarden (Schleswig-Holstein) lahmgelegt. Erst nachdem eine Schneefräse die Strecke geräumt hatte, konnte sie wieder freigegeben werden.

Viele Landkreise haben inzwischen fast kein Streusalz mehr. Im Kreis Holzminden in Niedersachsen hieß es, das Salz reiche nur noch für die wichtigsten Straßenabschnitte. Der bayerische Gemeindetagspräsident Uwe Brandl (CSU) sagte, dass sich wegen des strengen Winters die Streusalz-Preise in den vergangenen Wochen mehr als vervierfacht hätten.

Auch an Heiligabend bleibt es in Deutschland kalt – und es fällt fast überall Schnee. Im Norden und Osten bringt das Tief „Scarlett“ nach der Prognose des Deutschen Wetterdienstes (DWD) auch kräftigen Wind, der zu Schneeverwehungen führen kann. dpa/rtr/AFP

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