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Taifun "Haiyan" : Schüsse und Plünderungen im Katastrophengebiet auf den Philippinen

Überlebende von Taifun "Haiyan" haben ein Reislager geplündert und fast 130 000 Säcke davon geschleppt. Auf einem Flughafen kam es zu einer Schießerei, weil Tausende Menschen dem Chaos entkommen wollten. In Berlin startete indes ein Hilfsflug von Rotem Kreuz und THW.

Überlebende des Taifuns bei einer Lebensmittelausgabe
Landesweit sind 9,5 Millionen Menschen von den Folgen des Taifuns betroffen, 660.000 Bewohner verloren ihr Zuhause.Foto: dpa

Nach dem verheerenden Taifun kommt es in den Katastrophengebieten auf den Philippinen nun zu Tumulten. Wie der lokale Fernsehsender ANC berichtete, ereignete sich auf dem Flughafen der besonders schwer getroffenen Stadt Tacloban eine Schießerei zwischen Soldaten und Zivilisten. Tausende Verzweifelte hatten versucht, einen Platz bei einem der Flüge hinaus aus den betroffenen Gebieten zu ergattern. Vor allem Militärmaschinen, die Hilfsgüter liefern, starten und landen jetzt dort. Das Militär bestätigte den Vorfall zunächst allerdings nicht.

Berichten zufolge haben Überlebende außerdem ein Reislager gestürmt. Nach offiziellen Angaben sind dabei mindestens acht Menschen gestorben, als eine einstürzende Mauer sie unter sich begraben hatte. Das Lager befindet sich rund 17 Kilometer vor Tacloban. Polizisten, Soldaten und private Wachleute seien gegen den Ansturm machtlos gewesen, sagte der örtliche Sprecher der nationalen Lebensmittelbehörde, Rex Estoperez.

Die Plünderer sollen 129.000 Säcke Reis zu je 50 Kilogramm weggeschleppt haben. Allerdings sei nur in 33.000 Säcken essbarer Reis gewesen, während die anderen 96.000 Säcke Saatgut enthalten hätten. Der Sprecher warf daher einem Teil der Plünderer vor, auf Profit ausgewesen zu sein. „Einige Leute sind wirklich hungrig, aber andere wollen nur des Geldes wegen plündern“, sagte Estoperez.

Seinen Angaben zufolge würden Schiffe und Laster mit Nahrungsmitteln genau bewacht, um weitere Plünderungen zu verhindern. In Tacloban wurden nach Plünderungen und Überfällen hunderte Soldaten stationiert und eine nächtliche Ausgangssperre verhängt.

Auch in anderen Landesteilen häuften sich Fälle von Plünderungen angesichts der immer noch schleppend anlaufenden Hilfe für die Opfer des Taifuns “Haiyan“. Auf der Insel Leyte wurden Lagerhäuser des Lebensmittelkonzerns Universal Robina und der Pharmafirma United Laboratories sowie eine Reisfabrik geplündert, teilte der Leiter der örtlichen Handelskammer mit. Das Fernsehen zeigte Aufnahmen von Soldaten, die in der nahezu vollständig zerstörten Stadt Tacloban Schüsse in die Luft abgaben, um Plünderer zu vertreiben.

Opferzahl nach unten korrigiert

Stadtverwalter John Lim betonte, dass “das Plündern kein Verbrechen“ sei. "Es geht um Selbsterhaltung." Einige Überlebende buddelten Wasserleitungen aus auf der verzweifelten Suche nach Trinkwasser. “Wir wissen nicht, ob es sicher ist. Wir müssen es abkochen. Aber wenigstens haben wir etwas“, sagte ein 38-Jähriger.

"Haiyan" war am Freitag mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 380 Kilometern pro Stunde über die Philippinen gepeitscht. Er gilt als der schwerste Taifun, der jemals auf Land traf. Auch am Mittwoch waren noch weite Landstriche unzugänglich, so dass es keinen genauen Überblick über das ganze Ausmaß der Katastrophe gab.

Unklar ist auch, wie viele Menschen ums Leben kamen. Nachdem die Totenzahl zunächst auf 10.000 geschätzt worden war, sprach Präsident Benigno Aquino am Dienstag von vermutlich 2000 bis 2500 Opfern. Mitarbeiter von Hilfsorganisation sagten jedoch, dass es am Ende deutlich mehr sein könnten. Allein die Zahl der Vermissten wurde nach Angaben des Roten Kreuzes vorläufig bei 22.000 angesetzt. Landesweit sind 9,5 Millionen Menschen betroffen, 660.000 Bewohner verloren ihr Zuhause. Wegen der zerstörten Straßen, Häfen und Flugplätze gelangen die dringend benötigten Lebensmittel, Medikamente und Wasseraufbereitungsanlagen nur langsam in die Katastrophengebiete.

Hilfsflug aus Berlin startet

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und das Technische Hilfswerk (THW) starten am Mittwoch einen ersten gemeinsamen Hilfsflug. Mit 70 Tonnen Hilfsgütern, darunter Zelte und Wasseraufbereitungsanlagen, flog er vom Flughafen Berlin-Schönefeld nach Cebu. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte den Philippinen am Dienstag in einem Telefonat mit Aquino auch längerfristig Hilfe zu. Das DRK liefert Zelte, Kochsets, Hygieneartikel und Plastikplanen. Vom THW werden zwei Trinkwasseraufbereitungsanlagen, ein Labor zur Wasseranalyse, Werkzeug zur Reparatur zerstörter Infrastruktur sowie Camp-Ausstattung für Einsatzkräfte zugeladen. (AFP, Reuters)


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