Talentshow : Malaysia sucht Imam-Star

In Deutschland wird der Superstar gesucht, in Malaysia sucht eine Fernseh-Talentshow nach dem nächsten Star am Imam-Himmel. Wie in anderen Ländern sind die Teilnehmer der Castingshow im ganzen Land bekannt und werden von Mädchen umschwärmt.

Jeder der Kandidaten möchte Malaysias nächster Imam-Superstar sein.
Jeder der Kandidaten möchte Malaysias nächster Imam-Superstar sein.Foto: AFP

Die acht jungen Männer treten zur besten Sendezeit auf, tragen schicke schwarze Anzüge und passende Scheitelkappen. Wie in Talent-Shows weltweit sind sie auch im malaysischen Fernsehen Superstars und der Traum vieler Mädchen.
Doch anstatt zu singen und zu tanzen rezitieren sie Verse aus dem Koran, waschen Leichen für islamische Bestattungen und konkurrieren darin, junge Malaysier vor Sex und Drogen zu bewahren - denn die Sendung „Young Imam“ castet junge Geistliche.

Geleitet wird das wöchentliche Tribunal von Hasan Machmud, einem ehemaligen Imam. Er will die Kandidaten zu Vorbildern machen, mit deren Hilfe sich „soziale und moralische Dekadenz“ bekämpfen lässt.

Die ursprünglich zehn Kandidaten zwischen 18 und 27 Jahren wurden aufgrund ihrer Persönlichkeit und religiösen Kenntnisse aus 1134 Bewerbern ausgewählt. Wie in „DSDS“, „Germany's next Topmodel“ oder „American Idol“ scheiden jede Woche Kandidaten aus - zwei der ursprünglich zehn Teilnehmer haben sich schon tränenreich verabschiedet.

Der Gewinn: Eine Pilgerfahrt nach Mekka

Für die Dauer der Show sind alle abgeschottet im Schlafsaal einer Moschee untergebracht, ohne Handy, Internet und Fernsehen. Auf diese Weise sollen sie sich voll auf ihren Glauben konzentrieren. Um sich zu qualifizieren, mussten sie bereits einen Toten bestatten, die Religionspolizei auf deren Streifzügen begleiten und Motorradfahrern ins Gewissen reden. Dem Sieger des TV-Wettbewerbs winkt eine Pilgerfahrt nach Mekka, ein Stipendium an der Islamischen Universität von Medina und eine Stelle in einer Moschee.

Allen Casting-Teilnehmern schon jetzt sicher ist die Bewunderung junger Frauen und potenzieller Schwiegermütter: „Für Muslime sind die angehenden Imame ideale Schwiegersöhne, weil sie gut ausgebildet und im Islam bewandert sind“, sagt Iselan Basar vom Kabel-Sender Astro Oasis, der die religiöse Talentsuche ausstrahlt.

Die zehnwöchige Serie und ihre Kandidaten stoßen in Malaysia auf lebhaftes Interesse. Im Internet-Netzwerk Facebook sind sie Thema Nummer Eins: „Super, wie die Teilnehmer von Young Imam wie Stars behandelt werden. Fans fotografieren sie, Mütter bieten ihnen begeistert ihre Töchter an“, kommentiert ein männliches Facebook-Mitglied fast schon ein wenig neidisch.

Ethnische Minderheiten sehen die Show mit Sorge

Imams spielen eine wichtige Rolle in der muslimischen Gesellschaft, sie leiten das Gebet in der Moschee und haben seelsorgerische Funktion. Unter den Kandidaten von „Young Imam“ ist ein Geistlicher, ein Geschäftsmann, ein Student, ein Landwirt und ein Bankangestellter. Medienexperte Asman Udschang lobt das Programm: „Imame gelten normalerweise als alt und leicht angestaubt. Hier aber haben wir junge Persönlichkeiten. Sie geben dem Islam eine ganz neue Dynamik - in einer Zeit, in der die Glaubensgemeinde mit so vielen sozialen Übeln zu kämpfen hat.“ Die ethnischen Minderheiten im Land wie Chinesen und Inder allerdings sehen die Sendung mit Sorge. Schon jetzt klagen sie, dass sich das Land zusehends islamisiert - „Young Imam“ ist da für sie ein weiterer Schritt. Sie fürchten, dass die Toleranz gegenüber anderen Religionen abnimmt. Mit Schrecken beobachteten sie, wie im Januar der Streit, ob auch Christen das Wort Allah für Gott nutzen dürfen, eskalierte. Einen Monat später wurden erstmals in Malaysia drei Frauen nach islamischem Recht mit Stockschlägen bestraft, weil sie fremdgegangen waren.

Kandidat Chairul Aschar weist die Einwände gegen die Show zurück. Der 20-jährige Uni-Absolvent freut sich vor allem über seine Popularität bei Frauen. „Ich kann ein guter Ehemann sein“, betont er. Gewalt lehne er ab. Vielmehr wolle er dazu beitragen, ein friedliches Malaysia zu schaffen. AFP

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