Welt : Tanker-Havarie: Die Öl-Pest erreicht die Galapagos-Inseln

Nach der Havarie eines Tankers wird die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt der Galapagos-Inseln von einer Öl-Pest heimgesucht. Ecuadors Umweltminister Rodolfo Rendon rief zu einer Verstärkung der internationalen Hilfe auf. Das Öl habe sich mittlerweile auf einer Fläche von mehr als 1200 Quadratkilometern ausgebreitet und Strände der Inseln San Cristobal, Santa Cruz und Santa Fe erreicht, berichteten lokale Medien am Montag. Etwa 80 Prozent der 900 000 Liter Treibstoffe an Bord der auf Grund gelaufenen "Jessica" seien bereits ins Meer gelangt, sagte Rendon.

Die einzigartige Flora und Fauna der Pazifik-Inseln sei ernsthaft in Gefahr, warnte der Minister, der den Einsatz vor Ort leitet. "Die Verschmutzung hat gerade erst begonnen", fügte er hinzu. Die Meeresströmung treibe das Öl auf eine Seelöwen-Kolonie zu.

Bisher seien vier Seelöwen, zwölf Pelikane, sieben Piqueros-Vögel sowie Möwen durch den Ölfilm verschmutzt worden. Die berühmten Riesenschildkröten waren zunächst nicht gefährdet. Sie leben im Hochland und kommen nur zwischen Juni und Dezember zum Ablegen ihrer Eier in küstennahe Regionen.

Etwa 500 Einheimische und ein Dutzend US-Experten zur Ölbekämpfung seien vor Ort im Einsatz. Die Arbeit werde jedoch von einer schweren Dünung behindert. Außerdem könnten wegen des empfindlichen Ökosystems auch nicht die üblichen Chemikalien zur Ölbekämpfung eingesetzt werden. Edwin Stannard von der US-Küstenwache sagte im Fernsehen, das Schiff sei instabil und drohe auseinanderzubrechen.

Die Lage sei "außer Kontrolle", sagte auch der Direktor der Charles-Darwin-Forschungsstation auf dem Archipel, Fernando Espinoza. "Die Aufräumarbeiten werden Wochen dauern, und wir brauchen so viel nationale und internationale Hilfe, wie wir bekommen können", betonte Umweltminister Rendon.

Der veraltete Tanker "Jessica" war mit 600 000 Litern Diesel und 300 000 Litern schwerem Heizöl am vergangenen Dienstag auf eine Sandbank 800 Meter vor der Insel San Cristobal aufgelaufen. Bis Freitag hielt das Schiff, aber dann begann nach dem Bruch einer Leitung im Maschinenraum Öl auszutreten. Versuche, den Treibstoff mit Barrieren einzudämmen, waren fehlgeschlagen. Nach Angaben von Espinoza war menschliches Versagen die Ursache der Havarie. Der Kapitän habe die Gewässer nicht gekannt und ein Lotsendienst habe es nicht gegeben. Außerdem verfügt der Havarist über keinen doppelten Schiffsrumpf.

Die Umweltorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) warnte vor einem "schwerwiegenden und lang anhaltenden Einfluss" auf das Ökosystem.

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