Tankerunglück : Im Schwarzen Meer droht eine Umweltkatastrophe

Im Schwarzen Meer sind mehrere Schiffe untergegangen, die hochschädliche Stoffe geladen hatten. Ein russischer Tanker wurde von riesigen Wellen in Stücke geschlagen, zudem versanken zwei Frachter voller Schwefel.

MoskauNach mehreren Schiffsunglücken in der Straße von Kertsch, die das Schwarze Meer mit dem Asowschen Meer verbindet, droht vor der südlichen Küste Russlands eine Umweltkatastrophe. Mehr als fünf Meter hohe Wellen brachen einen russischen Tanker in zwei Teile, mindestens 1300 Tonnen Heizöl liefen in der Meerenge aus. Zwei Frachtschiffe mit tausenden Tonnen Schwefel sanken in dem schweren Wetter, das sich im Laufe des Tages weiter verschlechterte. Acht Matrosen eines gesunkenen Schiffes wurden vermisst, ein weiterer Frachter geriet in Seenot. Der stellvertretende Chef der russischen Umweltschutzbehörde, Oleg Mitwol, sprach von "schweren Umweltunfällen".

Die Unglücke ereigneten sich in der Nähe oder im Hafen von Kawkas, der am nordöstlichen Ufer der Meerenge von Kertsch liegt. Windböen von bis zu 125 Stundenkilometern behinderten die Rettungsarbeiten am Tanker "Wolganeft 139", der von den massiven Wellen regelrecht in Stücke geschlagen wurde. Mindestens 1300 Tonnen Heizöl liefen aus dem Tank des Schiffes aus. Die Besatzungsmitglieder retteten sich an das Heck des Schiffes, zwei wurden von Schleppern in Sicherheit gebracht, die anderen warteten noch auf Hilfe. Ihr Leben war nach Angaben des örtlichen Katastrophenschutzes nicht in Gefahr, doch wegen der schlechten Wetterbedingungen gestaltete sich die Rettung schwierig.

Aus dem Tanker läuft weiter Heizöl aus

Die Straße von Kertsch verläuft zwischen der im Westen gelegenen Halbinsel Krim, die zur Ukraine gehört, und der russischen Halbinsel Taman. Sie verbindet das Schwarze Meer mit dem Asowschen Meer. Zwei russische und ein ukrainischer Schlepper kämpften darum, den abgebrochenen Vorderteil der "Wolgoneft 139" mit Seilen am Abdriften zu hindern. Das Schiff lag vor Anker, als der Sturm es um 02:45 Uhr (MEZ) entzweischlug. Die Besatzung rettete sich in das Heck, wo auch die Maschine des Schiffes liegt. Laut dem örtlichen Vertreter des Katastrophenschutzministeriums gelang es den Matrosen, den Motor wieder in Gang zu bringen und das Abdriften des rückwärtigen Teils zu stoppen.

Aus dem Vorderteil des Tankers lief weiter Heizöl aus. Wegen der schlechten Wetterbedingungen war es Mitwol zufolge nicht möglich, das Wrackteil zu kalfatern. "Es besteht eine ernsthafte Gefahr, dass das Leck andauert", sagte er im Fernsehen. Russische Umweltschutzgruppen sprachen von einer "Umweltkatastrophe". "Es wird lange dauern, die Verschmutzung zu beseitigen, und die Folgen werden selbst in einem Jahr, vielleicht sogar noch länger zu spüren sein", sagte Wladimir Sliwijak von der Organisation "Ekosaschtschita" (Umweltschutz).

Im Hafen von Kawkas selbst sank das Frachschiff "Wolnogorsk", das 2400 Tonnen Schwefel geladen hatte. Das russische Katastrophenschutzministerium gab nach Angaben der Nachrichtenagentur ITAR-TASS bekannt, die neun Matrosen an Bord hätten mit einem Rettungsboot sicher das Ufer erreicht. Weniger glimpflich verlief offenbar die Havarie des Frachtschiffes "Nachitschewan", das ebenfalls sank. Drei der elf Besatzungsmitglieder wurden von einem ukrainischen Schlepper gerettet, die acht weiteren wurden noch vermisst. Auch die "Nachitschewan" hatte Schwefel geladen. Interfax zufolge befand sich am Nachmittag das Frachtschiff "Kowjol" mit Schwefel an Bord in der Straße von Kertsch in Seenot. (mit AFP)