Tankerunglück vor Ibiza : Schwarze Pest

Gut zwei Kilometer von der Küste Ibizas entfernt liegt seit Mittwoch der Frachter „Don Pedro“ auf dem Meeresgrund. Seitdem strömt Diesel- und Heizöl aus den Tanks. Der Ölteppich bedroht nun ein Meeresreservat.

Ralph Schulze[Ibiza]
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Der Wind treibt immer wieder neue Ölflecken an die Küste. -Foto: dpa

Ibiza„Erst kamen die Quallen und dann das Öl“, sagt der Kellner und starrt besorgt aufs Meer hinaus. Der Mann arbeitet auf einer Strandterrasse an der Playa d'en Bossa. Die meisten Tische seines Lokals sind leer. Auch im Sand aalen sich nur wenige Sonnenanbeter. „Die sind alle zu den Stränden auf der anderen Seite der Insel gefahren.“ D'en Bossa, mit drei Kilometern der längste Sandstrand der kleinen spanischen Baleareninsel Ibiza, ist auch fünf Tage nach Beginn des Ölalarms im Südosten der Insel weiter gesperrt.

Nur vier Reinigungsarbeiter in weißen Schutzanzügen sitzen schwitzend an einem Tisch und warten auf die nächste Ölwelle. „Der Wind treibt immer wieder neue Flecken ans Ufer“, erklärt einer von ihnen. Zwar sehe der Strand im Moment wieder recht sauber aus. „Aber da draußen“, und er zeigt aufs Wasser hinaus, „schwimmt noch jede Menge Öl herum.“ Insgesamt 150 Männer sind derzeit im Einsatz, um die bisher drei ölverschmutzten Strände d'en Bossa, Talamanca und Figueretes zu säubern.

Auch wenn die Behörden immer wieder versichern, das dieses Unglück „unter Kontrolle“ und die Strände „schon wieder gereinigt“ seien - wohl auch weil die Angst vor Negativschlagzeilen in dem Touristenparadies groß ist: Die wirkliche Lage ist nicht ganz so rosig. Gut zwei Kilometer von der Küste entfernt liegt seit Mittwochmorgen der Frachter „Don Pedro“ auf dem Meeresgrund und seitdem strömt auch Diesel- und Heizöl aus den Tanks, in denen sich insgesamt 200 Treibstoff befunden haben sollen. Das knapp 150 Meter lange Schiff war in der Nacht zum Mittwoch auf eine Felseninsel aufgelaufen und gesunken.

Auch am Wochenende gelang es nicht, drei neue Lecks zu schließen. Nun soll ein niederländisches Bergungsunternehmen so schnell es geht, die Tanks leer pumpen - doch dies kann noch Tage dauern. Derweil hat der Ölteppich auch die Barrieren durchbrochen, die die stinkende Flüssigkeit aufhalten sollte. „Das Öl schwimmt nicht nur auf dem Wasser, sondern auch unter der Oberfläche“, warnen Greenpeace-Umweltschützer. Sie befürchten, dass dieser vergleichsweise „kleine Unfall“ größere ökologische Auswirkungen haben kann. Sogar im nahen Meeres-Naturreservat Ses Salines südlich Ibizas sind nun die ersten Ölspuren aufgetaucht. Der von der Unesco als Weltnaturerbe geschützte Meerespark ist ein einzigartiges Ökosystem mit ausgedehnten Seegraswiesen, in denen viele Schildkröten und andere selten gewordene Meereslebewesen ihre Heimat haben. Die Schildkröten spielen im Kampf gegen die Quallen, unter denen Ibiza und Mallorca dieses Jahr besonders zu leiden haben, eine wichtige Rolle: Quallen gehören zur Leibspeise der Schildkröten, die diese Tiere gleich kiloweise fressen.

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