Welt : Tanz ums goldene Reh

Am Hamburger Hafen regnete es zur Bambi-Verleihung Lobeshymnen und Auszeichnungen

Elisabeth Binder

Der Anblick ist unglaublich schön. Links eine erleuchtete Zeltstadt, gekrönt von einem Löwenkopf. Rechts die Kräne im Hamburger Hafen mit ihren grellweißen Scheinwerfern. Sie werfen glitzernde Strahlen aufs Wasser, so als wollten sie gern die mystische Variante eines roten Teppichs werden. Von einem 200 Meter langen roten Teppich wird am kommenden Morgen, dem ersten Morgen nach der ersten Bambi-Verleihung ever in Hamburg auch die lokale Presse schwärmen. Es geht von den Landungsbrücken nämlich mit dem Schiff hinüber ins „Theater im Hafen“, wo normalerweise das Musical „König der Löwen“ gespielt wird. Akkordeonspieler mit blauen Uniformen und weißen Mützen spielen dazu, und vom Himmel regnet ein goldrotgrünes Feuerwerk.

Kein Wunder, dass die Hamburger höchst unhanseatisch rasen vor Begeisterung. Ob er denn noch keinen Promi gesehen habe, grillt der Radio-Moderator seinen Reporter vor Ort schon um sechs Uhr abends. Wo es doch um 20 Uhr schon losgeht! „Nein“, sagt der arme Reporter. „Verstehe ich auch nicht, noch keine Promis da.“ Als Hauptstadtreporterin lächelt man da kühl und etwas mitleidig vor sich hin und beginnt endlich, sich zu schminken. Da das Bambi nicht mehr in Berlin stattfindet, ist es so wichtig auch wieder nicht. Jedenfalls kein Grund, schon wie früher um sechs auf der Matte zu stehen. Dabei wird es höchst bemerkenswerte Momente geben an diesem Abend.

Sehr schön Hans-Dietrich Genschers Laudatio auf Katrin Sass, Daniel Brühl und Florian Lukas von „Goodbye Lenin“: „Innere Vereinigung meint, sich gegenseitig zu verstehen.“ Und Katrin Sass sagt dazu: „Dreizehn Jahre nach dem Mauerfall macht mich Lenin richtig glücklich.“

Uwe Seelers galante Verbeugung vor den nationalen Damenfußballerinnen: „Männer sind beim Training viel murriger und knurriger.“ Die absolut atemberaubenden Abendkleider von Heidi Klum (silber, schulterfrei, langer bauschiger Rock) und Sabine Christiansen (lang, schmal, weiß, hochgeschlitzt). Der Dank des Entertainers Kurt Felix an seine Frau Paola dafür, „dass ich weiterleben darf“. Elke Heidenreich, die eine Originalausgabe von „Bambi“ aus dem Jahr 1923 mitgebracht hatte. Pop-Sirene Dido, die so schön „White Flag“ singt, macht großen Eindruck aufs tausendköpfige Publikum, und natürlich Muhammad Ali, den Liz Hurley in sehr schön akzentuiertem Deutsch „einen Mann des Friedens und des tiefen Glaubens“ nennt. Er ist immer noch der Größte, obwohl er wegen seiner Parkinson-Krankheit ganz furchtbar zittert auf der Bühne und die Danksagung lieber seiner Frau überlässt.

Besser in Form ist der nächste Woche hundertjährige Johannes Heesters, der den Ehrenbambi bekommt. „Keine Ahnung“ habe er gehabt, versichert er und bedankt sich dann dennoch sehr geschliffen und lustig bei „meinem Publikum und meinen Eltern“.

Schade, dass die „Fame Academy“ bei der Wahl der besten Casting-Show so schlecht abgeschnitten hat. Gewinner wurde „Star Search“. Dafür singt Peter Maffay mit Band „Das geschenkte Glück“. Man müsste noch so viele nennen, Timo Hildebrand, den „populärsten Nachwuchskicker“ vom VFB Stuttgart etwa , Klaus Maria Brandauer und natürlich Hubert Burda, den Chef des Verlags, der das Bambi seit 1948 verleiht. Es war wirklich das reinste Prominenten-Feuerwerk.

Unvergesslich bleibt ein Augenblick, kurz bevor die Fernsehübertragung losgeht. Da spielen sie über Lautsprecher noch rasch „The Lion Sleeps Tonight“. Wo Bambis doch so leicht von Löwen gefressen werden.

Auch die Rückfahrt nachts um halb zwei ist ergreifend schön, aber davor hatte Bürgermeister Ole von Beust ja schon in seiner Rede gewarnt: Die erleuchtete Silhouette der Stadt, jenseits des Wassers, über das man auf einer roten Barkasse gleitet: Hamburgischer kann ein Anblick nicht werden. Ole von Beust hat auch gesagt, dass er das Bambi willkommen heißt in seiner Stadt: „Jetzt und für immer“. Und das ist auch gut so. Denn in Hamburg sind sie wenigstens nicht so übersättigt wie in Berlin.

Da gibt es noch diese tollen Security-Typen, Kerle wie Schränke, wie frisch von der Reeperbahn rekrutiert. Sie haben diesen völlig unverbrauchten Domina-Charme, mit dem sie Journalisten in enge Lounges einsperren, bis diese vor lauter Klaustrophobie um Gnade flehen. Und wo die müd’ gewordenen Berliner Sicherheitsheinis die Leute nur noch lässig durchwinken, weil sie sich von irgendwelchen Hollywoodtanten jedenfalls nicht mehr beeindrucken lassen, da sind die Hamburger Schränke knallhart gründlich. Bevor es gegen halb zwölf Uhr nachts Wachtelterrine im Baumkuchenmantel gibt, bringen sie sogar sehr prominente Promis dazu, mühsam die gelbe Karte für den Einlass ins Dinnerzelt hervorzukramen.

Es ist für eine Berlinerin wirklich eine Wonne, ihnen dabei zuzusehen. Auch wenn man dabei Gefahr läuft, plötzlich so stolz zu werden auf seine coole Heimatstadt, dass es fast ein bisschen weh tut.

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