Welt : Tanzen, damit ein Licht aufgeht

Rotterdam - Diesen Werbeslogan kann man wörtlich nehmen: „We want your energy“ heißt es in der ersten Öko-Disco der Welt. Wer in dem Beton- und Glasbau an der West-Kruiskade im einst als Drogenquartier berüchtigten Chinesenviertel von Rotterdam tanzt, erzeugt Strom. In der Nacht zum Freitag wurde der Club eröffnet. „Man fühlt sich dabei wie ein Kraftwerk“, schwärmte eine Besucherin aus Deutschland.

„Der erste nachhaltige Dance Club der Welt setzt einen Trend“, freut sich der Architekt Herman Kossmann. „Er beweist, dass Umweltschutz und Spaß bestens zusammenpassen.“ Früher war der Laden als „Nighttown“ für aufregende Shows von Iggy Pop, Nirvana oder Amy Winehouse berühmt. Stars werden auch künftig kommen. Jetzt heißt die mit Millionenmitteln niederländischer Privatinvestoren neu gestaltete Disco „Club Watt“.

Das Kernstück der Öko-Disco ist die flexible elektromechanische Tanzfläche. Der Boden unter den Füßen gibt um einige Millimeter nach. Die durch Schwingungen erzeugte Bewegungsenergie wird nach dem Dynamo-Prinzip in Elektrizität umgewandelt und in Akkus gespeichert. Fast ein Drittel des Stroms, den die DJ-Bühne verbraucht, sollen die Tänzer liefern. Leuchtdioden im Boden sowie Lampen an der Bühne zeigen an, wie stark die Stromerzeugung jeweils ist.

„Leute tanzt, auf dass die Birnen erglühen!“, feuert DJ Ted Langenbach die Gäste an. Der 48-jährige Party-Guru der Rotterdamer Szene gehört zu den Initiatoren des „Club Watt“. „Dieses Projekt hat mich gefesselt. Es gibt eben doch noch etwas Neues auf dem alten Tanzboden.“ Allerdings ist die Eigenstromerzeugung gemessen am Gesamtbedarf des Clubs, der 2000 Gäste aufnehmen kann, mit bis zu zehn Watt pro Tanzendem noch gering. Doch dabei soll es nicht bleiben. „Dies ist Club Watt in der Version 1.0“, sagt Martin Jordans vom Rotterdamer Architektenbüro Döll. „Wir arbeiten bereits an verbesserten Konzepten mit höherer Ausbeute.“

Dafür werden auch die Erfahrungen des Italieners Lucien Gambarota berücksichtigt, der als einer der „Väter“ der Nutzung „menschlicher Energie“ gilt. Gambarota richtete in Hongkong den „California Fitness“-Club ein, wo Sporttreibende immerhin so viel Strom erzeugen, dass damit die Beleuchtung, die Musik und Elektronik der Trainingsgeräte betrieben werden können. Die Idee kommt an. Vor Anfragen – darunter auch aus Berlin – können sich die Watt-Club-Macher inzwischen kaum noch retten. dpa

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