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Tarifkonflikt : Erneut Streik am Hamburger Flughafen

Nach vier Tagen Pause und Aufatmen bei den Fluggästen geht der Stress am Hamburger Airport wieder los. Weil die Fronten im Tarifkonflikt für die Sicherheitsbeschäftigten festgefahren sind, müssen Tausende von Fluggästen mit verspäteten und gestrichenen Flügen rechnen.

Mehrere Flüge wurden am Hamburger Flughafen gestrichen.
Mehrere Flüge wurden am Hamburger Flughafen gestrichen.Foto: dpa

Das Sicherheitspersonal am Hamburger Flughafen hat am frühen Mittwochmorgen erneut für einen Tag die Arbeit niedergelegt. Um 3.45 Uhr begannen die Beschäftigten ihren Streik, bestätigte ein Sprecher des Flughafens. Es sei abermals mit Verzögerungen und Flugausfällen zu rechnen. Fluggäste sollten Kontakt zu ihrer Airline halten und nach Möglichkeit auf die Bahn ausweichen.

Laut Flugplan sollen am Mittwoch 181 Maschinen vom Hamburger Airport abheben; rund 18 000 abfliegende Passagiere sind von dem neuen Streik betroffen. Die rund 600 Mitarbeiter der Personenkontrolle hatten bereits in der vergangenen Woche und im Januar gestreikt.

Am Morgen zeigten die Anzeigetafeln bereits zahlreiche gestrichene Flüge ins In- und Ausland. Viele Reisende kamen mehrere Stunden vor dem geplanten Abflug, um rechtzeitig durch die Sicherheitskontrolle zu kommen. Teilweise bildeten sich lange Schlangen. Wie schon in der vergangenen Woche ließ der Streik die Kontrollpunkte zum Nadelöhr werden. Nach Angaben eines Sprechers der Bundespolizei war ab 5.00 Uhr nur eine der 20 Kontrolllinien geöffnet.

Beschäftigte der Flughafen-Sicherheit aus Hamburg, Frankfurt, Berlin und Nordrhein-Westfalen wollen am Mittwoch in Potsdam vor dem Kongresshotel der 5. Luftsicherheitstage des Bundesverbandes der Sicherheitswirtschaft (BDSW) eine Kundgebung abhalten. In Nordrhein-Westfalen, wo zuletzt an den Flughäfen Köln/Bonn und Düsseldorf gestreikt wurde, sind nach Angaben von Verdi NRW für Mittwoch zunächst keine neue Aktionen an den Airports geplant.

Die rund 600 Mitarbeiter der Personenkontrolle am Hamburger Flughafen hatten bereits in der vergangenen Woche zwei Tage und im Januar einen Tag lang gestreikt und damit den Airport weitgehend lahmgelegt. Tausende von Passagieren konnten ihre Ziele nicht erreichen. Auch in Düsseldorf und auf dem Flughafen Köln/Bonn kam es zu Streiks. Die Beschäftigten in Hamburg fordern einen Stundenlohn von 14,50 Euro, der BDSW hat bislang in einem ersten Schritt 12,75 Euro und im kommenden Jahr 13,50 Euro pro Stunde geboten.

Der BDSW reagierte empört auf den neuen Streik. Für Donnerstag sei ein Spitzengespräch in Potsdam geplant, sagte Sprecher Oliver Arning. Das sei einer der Gründe gewesen, warum die Gewerkschaft die Streiks ausgesetzt habe. „Das zeigt, dass man sich auf Verdi und die Verhandlungsführer nicht verlassen kann“, sagte Arning am Dienstag in Bad Homburg. Nun würden abermals Tausende von Passagieren in Geiselhaft genommen.

Das Spitzengespräch, an dem von Gewerkschaftsseite Verdi-Fachbereichsleiter Bremme und Petra Gerstenkorn vom Bundesvorstand teilnehmen sollen, sei auch nach der Streikankündigung noch geplant, sagte Arning. Gerstenkorn wird bereits als Rednerin zu der Tagung des BDSW am Mittwoch in Potsdam erwartet.

Für den Hamburger Flughafen ist es der vierte Streiktag in diesem Jahr. Damit ist Hamburg der meistbestreikte Flughafen in dem Tarifkonflikt, der parallel auch in Nordrhein-Westfalen ausgetragen wird. Der Flughafen beklagt bereits Umsatzausfälle in Millionenhöhe, ist aber an dem Tarifkonflikt gar nicht beteiligt. „Ich bin entsetzt über die Entscheidung von Verdi, die Personenkontrollen am Hamburg Airport abermals zu bestreiken“, sagte Flughafen-Chef Michael Eggenschwiler. „Dieses Vorgehen ist untragbar und völlig unverhältnismäßig; es nimmt den Menschen ihr individuelles Grundrecht auf freie Mobilität.“ (dpa)

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