Welt : Tausend Dinge über 007

Nun hat auch Geheimagent James Bond ein Lexikon – von Aston Martin bis Wodka Martini

Andreas Conrad

Berlin - Ende 2004 sind 90 britische Kinomanager befragt worden, welches wohl die berühmteste Textzeile der Filmgeschichte sei. Auf Platz eins wählten sie „You talkin to me“ aus „Taxi Driver“, gefolgt von einem Satz, der fünf Jahre zuvor selbst ganz vorne gestanden hatte: „My name is Bond, James Bond.“ Mehr als 40 Jahre alt ist dieser Satz, mit dem Agent 007 sich vorzustellen pflegt, genau 30 Mal ist er in mittlerweile 22 Bond-Verfilmungen gefallen. Ein Markenzeichen wie der Wodka-Martini „geschüttelt, nicht gerührt!“, oder die Lizenz zu töten. Und doch, auch hier war aller Anfang schwer: „Take eins: Bond, Sean Bond! Take zwei: Connery, James, damn! Take drei: James, James Bond – damn it!“ Ganze 18 Mal soll Sean Connery sich verhaspelt haben, als er die später weltberühmte Zeile erstmals zu sprechen hatte, 1962 bei den Dreharbeiten zu „Dr. No“. Entnervt machte das Drehteam Pause, entspannte sich bei einem Drink. Dann klappte es.

Die Episode findet sich unter dem Stichwort „Bond, James – Der Dialog“ in dem jetzt von Siegfried Tesche vorgelegten Buch „Das große James-Bond-Lexikon“. Der Autor hatte schon „Das große James-Bond-Buch“ wie auch eine Biografie über den ersten 007-Darsteller Sean Connery vorgelegt und breitet nun sein Wissen, das bis in letzte geheime BondWinkel reicht, in alphabetischer (und statistischer) Form auf – als Nachschlagewerk, in dem sich der Bond-Enthusiast aber leicht festlesen kann.

Auch Anhänger bestimmter Automarken kommen auf ihre Kosten. Von Bonds berühmtestem Transportmittel, dem Aston Martin DB5, erstmals benutzt in „Goldfinger“, dürften selbst unmotorisierte Kinogänger gehört haben, aber wer kennt schon die Verbindungen zwischen der britischen Automarke MG und dem Geheimagenten. Es gibt zwei: 1964 warb der Hersteller für sein Modell MG B mit dem Slogan „From MG with Love“ – eine Anspielung auf den Titel des zweiten Bond-Films „From Russia with Love“. Bond selbst musste noch zehn Jahre warten, bis er solch ein Fahrzeug zu Gesicht bekam – als gelbes Cabrio in „Der Mann mit dem goldenen Colt“.

Jede gewünschte Antwort gibt Tesche auch auf Fragen nach Drehorten, Akteuren und deren zahlreichen Unfällen, die gleich in „Dr. No“ mit Ursula Andress begannen. Ihr erster Auftritt, wie sie im knappen Bikini den Fluten entsteigt, wurde legendär, war aber mit Schmerzen verbunden. An Korallen hatte sie sich eine klaffende Beinwunde zugezogen, ein Knie war geschwollen. Ohnehin war sie zu hellhäutig in Jamaika eingetroffen. Die Maskenbildner hatten viel zu tun.

Bei der momentan interessantesten Frage muss Tesche passen: Wer wird der nächste Bond? Seit Monaten ist eigentlich nur halbwegs sicher, dass Pierce Brosnan es nicht wieder sein wird, aber die Namen möglicher Nachfolger wechseln schneller als Bonds Gespielinnen. Insgesamt 23 kann Tesche auflisten, denen nur sechs mögliche Bond-Girls gegenüberstehen.

Immerhin scheint der Titel des nächsten Bond festzustehen, wie dem Brancheninformationsdienst IMDB zu entnehmen ist: „Casino Royale“. Schon 1967 gab es einen Film dieses Titels – angelegt als Bond-Parodie, mit David Niven, Peter Sellers, Woody Allen und noch einmal Ursula Andress. Auch ein Regisseur wurde jetzt ausgewählt: Martin Campbell, der schon in „Golden Eye“ Regie führte. Wieder dabei sind Dame Judi Dench als M und John Cleese als Q.

Siegfried Tesche: Das große James- Bond-Lexikon. Henschel-Verlag, Berlin. 240 Seiten, 19,90 Euro.

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