Taxi : Ende einer Dienstfahrt

Spritschlucker, aus der Mode gekommen: Der Ford Crown Victoria, Lastesel des Taxigewerbes und der Polizei in den USA, steht vor dem Aus.

Christoph von Marschall[Washington]

Jeder deutsche USA-Besucher kennt wohl dieses Auto: zum Beispiel als gelbes Taxi in New York mit so viel Platz zwischen Fahrersitz und Rückbank, dass noch eine trennende Plexiglasscheibe dazwischen passt. Der Kunde sinkt in die Polster und die weiche Federung trägt ihn in schwingenden Bewegungen durch die Schlaglöcher. Oder als Hauptarbeitspferd der Verkehrspolizei in den diversen US-Bundesstaaten, nun mit dem bedrohlichen Zusatznamen „Interceptor“. Wenn diese Straßenkreuzer mit blau-rotem Blinklicht im Rückspiegel auftauchen, dann fährt man am besten sofort rechts ran und bleibt, sofern man tatsächlich das Opfer der Kontrolle ist, ganz ruhig mit beiden Händen am Lenkrad sitzen – bloß nicht ins Handschuhfach langen, nur weil dort vielleicht der Mietwagenvertrag liegt! Der Polizist könnte denken, man greift nach einer Waffe. Er wird es schon sagen, wenn man die Hände vom Lenkrad nehmen soll. Und natürlich war die Polizeiversion über Jahrzehnte nicht wegzudenken aus amerikanischen Krimis und Spionagethrillern. Unzählige Exemplare wurden in den Filmen zu Schrott gefahren. Der Ford Crown Victoria war für zwei Generationen der Inbegriff des so genannten „Full Size Car“ – ein Auto in voller Größe, so wie es sein soll, ohne Zugeständnisse an die Grenzen des Wachstums.

Der Anblick wird bald Geschichte sein. Der schwere große Amischlitten mit dem durstigen Acht-Zylinder-Motor mit 4,6 Liter Hubraum passt nicht mehr in die heutige Zeit, wo das Barrel Öl fast 100 Dollar kostet. Um neunzig Prozent ist der Absatz seit dem Jahr 2000 gesunken, das Ende der Produktion ist absehbar. In New York peilt Bürgermeister Michael Bloomberg bis 2012 eine Taxiflotte mit umweltfreundlichen Hybridmotoren an. Andere Großstädte haben ähnlich grüne Pläne.

Bei der Polizei sind zwei andere Modelle inzwischen weit populärer als der schwergewichtige Dinosaurier. Der Dodge Charger des Chrysler-Konzerns mit 340 PS fährt dem „Interceptor“ sowohl beim Beschleunigen wie in der Höchstgeschwindigkeit locker davon. Und in den schneereicheren Nordstaaten ziehen die Verkehrshüter den Chevrolet Impala vor, weil der Frontantrieb hat und ebenfalls schneller ist als der Traditions-Ford.

An Privatkunden konnte Ford 2006 nur noch 3000 „Crown Vic“ verkaufen, wie die Fans das Modell liebevoll nennen. 1955 kam die erste Generation in die Verkaufsräume, heute wartet dort die fünfte auf Interessenten. Einhundert Exemplare stehen angeblich noch bei den Dealern, landesweit. Mehr wagen sie nicht zu ordern. Die Fans haben sich in regionalen Clubs zusammengeschlossen und tauschen im Internet unter www.crownvic.net Tips zu Basteleien, Ersatzteilquellen und Fantreffen aus.

Nur im Nahen Osten findet der Crown Victoria weiter geneigte Annehmer, Kuwait ist einer der großen Abnehmer. Die generelle Garantie für fünf Jahre oder 200 000 Kilometer gilt als Beleg für Zuverlässigkeit. Auch New Yorker Taxifahrer schwärmen von der Langlebigkeit. Das Magazin „Newsweek“ berichtet über Abraham Caldes, der seit 39 Jahren im Geschäft ist und auf den Crown Vic schwört. Er fährt jetzt den vierten, jeder habe mehr als 480 000 Kilometer gehalten – Dimensionen, in die in Deutschland wohl nur Mercedes-Diesel-Taxis regelmäßig vorstoßen.

Der Wagen gilt als typisch amerikanisch, wurde aber gar nicht in den USA gebaut. Er läuft in Ontario, Kanada von den dortigen Ford-Bändern. Steve Spaulding, der Eigentümer der Fan-Webseite, hatte Liebhaber über Jahre durch das Werk geführt – „Pilgertouren“ nennt er das. In jüngerer Zeit hat das Interesse spürbar nachgelassen.

Ford behauptet, es sei noch keine Entscheidung gefallen, an welchem Tag der letzte Crown Victoria produziert wird. Spaulding sagt, es sehe schlecht aus. Das Ende sei nah. Der New Yorker Taxifahrer Abraham Caldes mag sich nicht mehr auf Hybrid umstellen. Wenn der CrownVic zu Grabe getragen wird, geht er in Rente.

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