Taylor Swifts Album "Red" : „Red“ ist die Liebe

Country war gestern: Taylor Swift macht sich mit dem neuen Album auf, zum globalen Popstar zu werden.

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Verliebtheit als Chaos. Taylor Swift. Foto: Charles Sykes/dapd Foto: dapd
Verliebtheit als Chaos. Taylor Swift. Foto: Charles Sykes/dapdFoto: dapd

Jetzt kann die Schnitzeljagd der Fans wieder losgehen, ihre Suche nach dem Namen hinter dem Song. Country-Sängerin Taylor Swift – „America’s Sweetheart“ – hat im gewohnten Zwei-Jahres-Takt ein neues Album auf den Markt geworfen. Wenn man ihr glauben darf, dann ist „Red“ ein Album über die „betrügerischen, traurigen, schönen, tragischen und vor allem roten“ Seiten der Liebe. Wie immer verarbeitet sie in ihren Songs die eigenen Liebesbeziehungen. Wer die jungen Männer sind, die dort auftauchen und nicht besonders gut wegkommen, das wird von den Fans bereits fleißig recherchiert. Diesmal ist es noch ein wenig einfacher als auf Taylor Swifts vorigen drei Alben: Das Liebesleben der Sängerin findet seit einiger Zeit vor allem in den Glamourmagazinen statt, was zum einen an ihrer eigenen Prominenz liegt, zum anderen an der ihrer Partner. Ihr aktueller Freund ist Conor Kennedy, Mitglied des Kennedy-Clans. Oder ist auch er bereits wieder ein Ex? Pünktlich zur Albumveröffentlichung wurde eine „Beziehungspause“ vermeldet, beide hätten gerade so viel zu tun, man verstehe sich aber nach wie vor wunderbar. Davor war Taylor Swift mit Schauspieler Jake Gyllenhaal liiert, sie soll – was allerdings sofort dementiert wurde – mit Arnold Schwarzeneggers Sohn Patrick geknutscht haben, Musiker und weitere Schauspieler wurden an ihrer Seite gesehen.

Taylor Swift ist mittlerweile 22 Jahre alt. Bereits als Elfjährige soll sie in der Country-Hauptstadt Nashville in der Hoffnung auf einen Plattenvertrag ihre Musik verteilt haben. Als 14-Jährige wird sie als Songschreiberin unter Vertrag genommen, mit 15 kommen das selbst betitelte Debütalbum, das zwei Monate lang die Billboard-Country-Charts anführt, und der Umzug nach Nashville. Die Country-Musik und ihre Anhänger meinen es gut mit der fragilen blonden Sängerin. Sie hat schon so ziemlich jeden Preis, den das Business zu vergeben hat, bekommen. Der Rest der Verwertungskette funktioniert ebenfalls. Erste Filmrollen, eigene Parfum-Marke, Werbung, Magazintitel, Fanartikel – das Karussell dreht sich, das „Forbes“-Magazin schätzt Taylor Swifts Einkünfte in diesem Jahr auf 57 Millionen Dollar – mehr als drei Mal so viel wie vor vier Jahren.

Taylor Swift ist auf dem Sprung, und das hört man auch auf „Red“, ihrem neuen Album. Sie und ihr Management drehen an der Imageschraube. Waren ihre bisherigen drei Alben vor allem Country-Alben mit Popnote, kehrt die Sängerin Nashville nun endgültig den Rücken zu. Stadionrock und Powerpop dominieren die Platte, U2 und Coldplay lassen grüßen. Immer wieder wird Taylor Swifts Stimme mit Autotune-Effekten belegt, in einem Lied flirtet sie unverhohlen mit Dubstep, dieser Variante der elektronischen Tanzmusik, für die sich US-Teenager gerade so sehr begeistern. Verabredungen finden in ihren Songs nicht etwa – dem alten Country-Klischee entsprechend – im Pick-up-Truck statt, sondern im Maserati. Selbst in den Balladen verzichtet Taylor Swift auf allzu Countrylastiges, vereinzelt kommt Mandoline oder Steel-Guitar zum Einsatz. Zufall ist das alles nicht. Ihre zahlreichen Produzenten haben zuvor bereits mit Pink, Britney Spears und Kanye West zusammengearbeitet – internationale Popstars mit langfristigem Erfolg. Und auch wenn „Red“ seine Schwächen hat – Taylor Swift hört sich nun wie der Popstar an, der sie von Anfang an sein wollte.

Als „America’s Sweetheart“, als Liebling der Nation, wurde die in einem kleinen Ort in Pennsylvania geborene Sängerin einmal bezeichnet, eine Rolle, der sie vorsichtig zu entfliehen scheint. Mittlerweile trinke sie auch schon mal Alkohol, gab sie gerade in einem Interview zu. Und auf ihre Beziehungsgeschichten angesprochen, sagt sie: „Mein Leben ist von vorne bis hinten geregelt, aber das gilt nicht für mein Liebesleben.“ Man dürfe sich nicht allzu viele Gedanken machen, wenn man sich verliebe. Was sie dabei verschweigt: Ohne diese Affären und Freundschaften hätte sie gar nicht genug Stoff für ihre Songtexte. Und auch keinen Nummer-Eins- Hit. „We Are Never Ever Getting Back Together“ heißt die aus „Red“ ausgekoppelte Single, mit der sie es jetzt zum ersten Mal bis an die Spitze der amerikanischen Popcharts gebracht hat. Eine Botschaft an den Ex-Freund, vermutlich an Jake Gyllenhaal, mit ziemlich unterhaltsamem Inhalt. „Wir haben uns einen Monat nicht gesehen, als du mir sagtest, du brauchst mehr Raum.“ Und durchaus selbstironisch. „Finde deinen Seelenfrieden mit irgendwelchen Indie-Platten, die cooler sind als meine.“

Der Schwenk vom ländlichen Amerika zum urbanen, von der Country-Musik zum Popsound dürfte vor allem eine wirtschaftliche und langfristige Entscheidung sein, die Fanbasis soll vergrößert werden. Die Inhalte aber sind die gleichen. Immerhin, Taylor Swift zeigt nicht nur auf ihre Ex-Freunde, sie zeigt auch auf sich selbst. Ja, ihr Kerle, ihr seid nicht auf mich eingegangen, habt mich nicht ernst genommen, habt mich an der Nase herumgeführt und wusstet gar nicht, was ihr an mir habt. Aber genau dafür habe ich euch gebraucht und geliebt. „Du siehst nach Ärger aus“, singt sie in „22“, „ich muss dich haben!“ Und sei es nur, um Stoff für das nächste Herzschmerz-Lied zu bekommen.

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