Welt : Techno-Spektakel in der Seine-Metropole

SYBILLE KORTE

PARIS .Während in Berlin die "Love-Parade" schon fast zur Tradition gehört, erwartet Paris mit der ersten großen Techno-Parade Frankreichs an diesem Sonnabend eine Premiere: "Die ganze alternative Szene wird zu sehen sein.Wir können endlich allen zeigen, daß niemand Angst vor uns zu haben braucht", sagte ein 20jähriger Techno-Fan.Bis zu 200 000 Teilnehmer werden bei dem Zug mit 34 Wagen und dem anschließenden Fest erwartet, 200 DJs sorgen für Stimmung.

"Toleranz, Weltoffenheit des Geistes und Respekt" sollen die Parade prägen, erklärten die Organisatoren von der Vereinigung Technopol, die 1996 nach dem Verbot einer Fete in Lyon gegründet worden war.Sie setzt sich für die Anerkennung der elektronischen Musik ein, der immer noch stark der Ruch von Drogenszene anhaftet.Techno-Feten, im Szene-Jargon "raves" genannt, wurden bisher in Frankreich meist in letzter Minute verboten oder aufgelöst.Das geht auf Anweisungen des früheren Innenministers Jean-Louis Debre zurück, sie mit allen Mitteln zu unterdrücken.Dabei geht die Polizei äußerst hart vor.Gefeiert wird darum oft im Freien, in Wäldern, alten Schuppen oder Privatwohnungen, die so geräuschisoliert sind, daß kein Laut der hämmernden Musik nach außen dringt.

Die Idee zu der Pariser Techno-Parade stammt vom ehemaligen Kulturminister Jack Lang, der auch die Schirmherrschaft übernommen hat.Er war bei einem Berlin-Besuch 1996 so beeindruckt von der dortigen "Love Parade", daß er einen solchen Festzug der elektronischen Musik für Paris vorschlug.Die Parade hat ein Budget von 540 000 Mark, die zu 65 Prozent von Sponsoren finanziert werden.Die Wagen starten um 14 Uhr vom Platz Denfert-Rocherau und sollen gegen 18 Uhr beim 5,7 Kilometer entfernten Platz der Nation ankommen.Dort warten viele Stars der Techno-Szene mit einem Großkonzert auf, darunter Jeff Mills, Carl Cox, "Manu, der Schlaue" und Jack aus Marseille.Die Organisatoren hoffen, daß die Pariser "Techno Parade" wie in Berlin zur festen Tradition wird.Das weltweit größte Tanzspektakel hatte am 12.Juli erneut rund eine Million Raver in die bundesdeutsche Hauptstadt gelockt.

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