Welt : Teenager-Hochzeit: "Ich fühle mich reif für die Ehe"

Susanne Güsten

"Wir verstehen nicht, warum uns Deutschland dieses Hindernis in den Weg legt." Die 14-jährige Türkin Didem T., die nach dem Willen der Behörden im rheinland-pfälzischen Koblenz ihren 33-jährigen deutschen Freund nicht in der Bundesrepublik heiraten darf, gibt nicht auf. "Auch wenn ich jung bin, fühle ich mich reif für die Ehe", sagte das Mädchen am Sonnabend der türkischen Zeitung "Hürriyet". "Jetzt werden wir eben in der Türkei heiraten". "Wir hatten sowieso daran gedacht, nach der Hochzeit in Deutschland in der Türkei zu feiern", sagte das Mädchen, das von "Hürriyet" als "Lolita Didem" vorgestellt wurde. Sie habe alle für eine Eheschließung erforderlichen Papiere besorgt.

Didem kann eine Ausnahmegenehmigung der türkischen Behörden vorweisen, nach der sie auch als 14-jährige heiraten darf; normalerweise liegt das Mindestalter für Mädchen in der Türkei bei 15 Jahren. In dem Interview machte das Mädchen den Koblenzer Behörden schwere Vorwürfe. Ihr Freund Ralf G. und sie selbst hätten dem Standesamt alle erforderlichen Papiere vorgelegt und auch sehr oft bei den Beamten vorgesprochen. "Aber kein einziges Mal hat mir ein Beamter gesagt, ich sei zu jung und könne nicht heiraten", sagte Didem. Erst ganz am Ende der Antragsprozedur habe sich ihr Alter als Problem herausgestellt. "Als ob das nicht genug wäre, haben sie auch noch die Presse informiert." Selbst ihre Mutter in der Türkei werde dauernd angerufen, weil im Fernsehen über den Fall berichtet werde. Ihr Verlobter Ralf habe bei einem Besuch auf dem Standesamt die Nerven verloren und die Beamten kritisiert, berichtete Didem. "Vielleicht haben sie sich geärgert und sind deshalb an die Presse gegangen." "Hätten wir in der Türkei geheiratet, hätte es bestimmt keine Probleme gegeben."

In Deutschland dürfen Jugendliche mit Zustimmung der Eltern frühestens mit 16 Jahren heiraten. In der Türkei liegt das Mindestalter für Mädchen bei 15 und für Jungen bei 17 Jahren. Der bundesweit aktive Verein "Solidarität mit Frauen in Not" bezeichnete die geplante Eheschließung als "schockierend". Nach Darstellung der Vorsitzenden Lea Ackermann hält sich die junge Türkin mit einem Touristenvisum in der Bundesrepublik auf und spricht kein Deutsch. Die Frage, ob die 14-Jährige freiwillig heiraten wolle, "interessiert mich gar nicht", sagte sie. "Kinderehen sind bei uns ein Straftatbestand."

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