Teneriffa : Sechs Touristen sterben bei Höhlenwanderung

Eine Höhlenwanderung auf der spanischen Ferieninsel Teneriffa ist für sechs Ausflügler tödlich ausgegangen. Die Opfer, fünf Männer und eine Frau, erstickten in einem schwer zugänglichen Stollen fast zwei Kilometer vom Eingang entfernt.

Santa Cruz/Madrid - 24 weitere Ausflügler konnten sich teils selbst in Sicherheit bringen, teils wurden sie von der Polizei und der Feuerwehr in einer dramatischen Rettungsaktion aus der Höhle geborgen.

Viele von ihnen litten unter Schwindel, Atemnot und Vergiftungen durch das Einatmen giftiger Gase, teilten die Behörden mit. Die insgesamt 30 Ausflügler, überwiegend spanische Naturfreunde im Alter zwischen 20 und 30 Jahren, waren am Vortag zu einer Exkursion in die Höhle bei Los Silos im Nordwesten Teneriffas aufgebrochen. An einer Gabelung unterlief ihnen ein entscheidender Fehler: Die Gruppe entschied sich für einen Stollen, der breiter und besser ausbaut war.

Dieser führte jedoch nicht, wie erwartet, zu einem Ausgang. Die jungen Leute gelangten in einen Tunnel, der im 19. Jahrhundert bei der Suche nach Wasser in den Berg gesprengt und 1964 geschlossen worden war. In dem Gang herrschte nicht nur Sauerstoffmangel, sondern die Luft enthielt auch giftige Gase. "Ich sah plötzlich, wie meine Kameraden umkippten wie die Fliegen", sagte José, ein 27-jähriger Ingenieur, der sich retten konnte. Er sei auch ohnmächtig geworden und erst nach mehreren Stunden aufgewacht. Dann habe er gehört, dass die anderen Ausflügler beschlossen hätten, zum Eingang der Höhle zurückzukehren.

Per Funk wurden die Touristen in die falsche Richtung geschickt

Der Besuch war von einem Naturfreunde-Verband organisiert worden. Daran beteiligte sich auch eine Gruppe von spanischen und ausländischen Wissenschaftlern eines Instituts für Astrophysik. Die Ausflügler wurden von drei Führern begleitet. Ein Experte, der sich in der Höhle am besten auskennt, hatte nicht mitkommen können. Er gab der Gruppe Anweisungen über Funk. Dies trug letzten Endes zum Drama bei, denn der Mann forderte die Besucher auf, immer weiter zu gehen, bis sie zum Ausgang gelangten. Er wusste nicht, dass die Gruppe einen falschen Stollen genommen hatte.

Die Bergungsaktion wurde dadurch erschwert, dass die Höhlengänge teilweise unter Wasser standen und die Rettungsteams Sauerstoffgeräte tragen mussten. Bis Sonntagnachmittag wurden fünf der Toten geborgen. Der Präfekt der Kanaren, José Segura, bestätigte die Zahl von insgesamt sechs Toten. "Die Tragödie hätte noch viel schlimmer sein können." (tso/dpa)

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