Terrorismus : Eta-Pläne für Attentat auf Mallorca waren bekannt

Die Eta hatte Palmanova schon länger als Ziel für einen Anschlag im Visier. Entsprechende Unterlagen sind bereits 2008 sichergestellt worden. Auf den Tourismus hat der Anschlag auf Mallorca derweil offenbar nur geringe Auswirkungen.

MadridDie Fahndungsmaßnahmen der mallorquinischen Polizei haben rasch Erfolge gezeigt. Einen Tag nach dem Terroranschlag auf der spanischen Ferieninsel Mallorca identifizierten die Ermittler eigenen Angaben zufolge zunächst zwei, mittlerweile sogar sechs Terrorverdächtige. Das Madrider Innenministerium veröffentlichte am Nachmittag die Fahndungsfotos.

Unter den Gesuchten – vier Männer und zwei Frauen – könnten nach Angaben der Ermittler die Attentäter von Mallorca sowie die Bombenleger von Burgos sein. Am Donnerstag waren im mallorcinischen Palmanova zwei Polizeibeamte bei einem Bombenanschlag getötet worden. In der nordspanischen Stadt Burgos wurden am Vortag 65 Menschen bei der Explosion einer 200-Kilo-Bombe verletzt.

Nach dem Attentat hatte die Polizei umgehend die Sicherheitsvorkehrungen auf Mallorca verschärfte. Die Ermittler gingen davon aus, dass sich die Attentäter am Freitag noch auf der Insel versteckt hielten. Die Polizei errichtete Kontrollen auf dem Flughafen und in den Seehäfen der Insel.

Die Fahndungen auf Mallorca richten sich explizit auf ein Paar, das sich vor mehreren Tagen in der Inselhauptstadt Palma in eine Ferienwohnung eingemietet hatte. Die jungen Leute hätten Baskisch gesprochen und seien seit Donnerstag, dem Tag des Attentats, spurlos verschwunden, berichtete der staatliche Rundfunk RNE.

Anschlagspläne waren bekannt

Die baskische Terror-Organisation Eta hat den Ferienort Palmanova auf Mallorca schon seit Längerem im Visier. Wie die Madrider Zeitung El Mundo in ihrer Internetausgabe berichtete, hatten die Separatisten bereits im vorigen Jahr umfangreiche Daten über zwei Polizeikasernen in Palmanova gesammelt. So wusste die Organisation beispielsweise, dass die Polizeikasernen in dem Ferienort keine Videokameras hatten und auch andere Sicherheitseinrichtungen fehlten. Die Unterlagen waren im Sommer 2008 bei der Zerschlagung eines Terror-Kommandos der Eta in der Gegend von Bilbao sichergestellt worden.

Die spanische Polizei hatte sich seit mehreren Tagen in höchster Alarmbereitschaft befunden, da sie zum 50. Jahrestag der Eta-Gründung Terroranschläge fürchtete.

Auf den Tourismus wird der Anschlag auf Mallorca wohl nur geringe Auswirkungen haben, deutsche Reiseveranstalter und Fluggesellschaften erwarten eine rasche Normalisierung des Ferienbetriebes. Zunächst müsse auf der besonders bei deutschen Urlaubern beliebten spanischen Insel zwar mit verstärkten Sicherheitskontrollen gerechnet werden, sagte eine Sprecherin des Deutschen Reise Verbands (DRV) am Freitag. Es gebe aber keine Anzeichen für eine "Stornierungswelle".

Flugbetrieb läuft wieder geregelt

Die nach DRV-Angaben rund 150.000 bis 200.000 deutschen Urlauber vor Ort wollen ihren Urlaub auf jeden Fall fortsetzen. Die Situation auf Mallorca sei ruhig, sagte eine TUI-Sprecherin. Beim Konkurrenten Rewe erwartet man auch keine langfristigen Auswirkungen. "Mallorca ist und bleibt ein Lieblingsziel der Deutschen", sagte eine Sprecherin. Selbst der Ausbruch der Schweinegrippe habe daran nichts geändert. Spanien ist mit jährlich 2,5 Millionen Besuchern das beliebteste Auslandsreiseziel der Deutschen.

Der Flugbetrieb auf Mallorca läuft inzwischen wieder normal. Alle Frühflüge am Freitag von Deutschland nach Spanien und in Gegenrichtung seien wieder nach Plan unterwegs gewesen, hieß es bei der Gesellschaft Air Berlin. Sie benutzt den Flughafen von Palma de Mallorca als Drehkreuz mit Weiterflügen auf die iberische Halbinsel. Auch vom Frankfurter Flughafen und beim Ferienflieger TUIfly in Hannover wurde gemeldet, es gebe keine Verzögerungen mehr.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, Reuters

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