Tessin : Bluttat weiter ungeklärt

Drei Tage nach der Bluttat von Tessin bleibt das Motiv der beiden geständigen Tatverdächtigen weiter unklar. Zwei Gymnasiasten hatten ein Ehepaar getötet - laut Obduktionsbericht sind sie mit äußerster Brutalität vorgegangen.

Schwerin - Bei der Vernehmung der beiden 17 Jahre alten Gymnasiasten gibt es laut Staatsanwaltschaft keine neuen Erkenntnisse über die Hintergründe der Tat. Inzwischen werden die beschlagnahmten Festplatten der Computer auf Gewaltvideos untersucht. An der Schule in Boizenburg stehen den Mitschülern der Festgenommenen mittlerweile vier Psychologen für Gespräche zur Verfügung. Am Mittwoch sollte der Unterricht wieder beginnen.

Das Landeskriminalamt durchsucht nach Angaben des Schweriner Oberstaatsanwalts Hans-Christian Pick die Computer und Festplatten der beiden Beschuldigten auf gewaltverherrlichende Inhalte. Die "Bild"-Zeitung hatte berichtet, die Gymnasiasten hätten ein Computerspiel nachgespielt. Am Tatabend sollen sie sich dem Bericht zufolge mit ihren Spielernamen angeredet haben. Laut NDR 1 Radio MV wollten sich die Jugendlichen von dem getöteten Ehepaar ein Auto beschaffen, um damit nach Asien zu flüchten.

Kriminologe: Täter passen in kein Muster

Die Motivsuche ist bei den beiden Festgenommenen nach Ansicht des Greifswalder Kriminologen Frieder Dünkel auch deshalb so schwer, weil sie in kein Tätermuster fallen. Solche schweren Fälle der Jugendkriminalität seien normalerweise häufig Folge einer langen Entwicklung, "zum Beispiel von Demütigungen, eigenen Gewalterfahrungen, dem Gefühl von Perspektivlosigkeit", sagte der Professor für Jugendkriminalität und -strafrecht. Das treffe aber offenbar auf die beiden jugendlichen Tatverdächtigen nicht zu.

Nach dem vorläufigen Obduktionsergebnis müssen die Täter mit äußerster Brutalität vorgegangen sein. Die 46 und 41 Jahre alten Opfer wiesen eine Vielzahl von Verletzungen durch Messerstiche am Kopf und Rumpf auf. Der 16 Jahre alte Sohn des Ehepaares, der sich während des Überfalls in einem Nebenzimmer eingeschlossen hatte, wird derzeit vom Jugendfachdienst des Landkreises betreut. Der Schutz des Opfers habe absoluten Vorrang, sagte der Landrat von Ludwigslust, Rolf Christiansen (SPD). Experten stünden auch den Eltern und Geschwistern der beiden Tatverdächtigen zur Verfügung.

Psychologen betreuen Mitschüler

Am Boizenburger Gymnasium, der Schule der beiden Beschuldigten, fiel am Dienstag der Unterricht in den höheren Klassen noch aus. Vier Psychologen versuchen, das Geschehene mit den Schülern aufzuarbeiten, wie eine Sprecherin des Kultusministeriums sagte. Ab Mittwoch solle dann der Unterricht wieder beginnen. Es werde eine Kontaktstelle in der Schule eingerichtet, an die sich Lehrer und Kinder wenden können, wenn sie Hilfe benötigen.

Die beiden 17-Jährigen bleiben weiter wegen Verdachts auf Totschlag in Haft. Eine Entscheidung der Staatsanwaltschaft, ob sie Haftbeschwerde einlegt, ist bislang nicht gefallen. Die Staatsanwaltschaft hatte Haftbefehl wegen Mordes beantragt. Das Amtsgericht Hagenow war diesem Ansinnen aber nicht gefolgt. (tso/ddp)

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