Tests im Mittelmeer : Wie sicher sind Kreuzfahrtschiffe?

Nach dem Unglück der Costa Concordia hat der ADAC die Sicherheit auf Kreuzfahrtschiffen geprüft – und einige Sicherheitsmängel gefunden. Ein paar Redereien nutzen gesetzliche Schlupflöcher. "Eine Riesenschweinerei", sagt ein Experte.

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Zutritt verboten. Die Crew der Concordia-Schwester Costa Serena kooperierte als einzige nicht mit den Testern.Foto: dpa

Es kann so bequem sein, die Welt zu erobern. Von Ort zu Ort zu reisen ohne zwischendurch die Koffer zu packen. Und dazu gibt’s noch opulentes Essen, serviert an den Tisch. Oder vielleicht gleich auf die Kabine? Kreuzfahrten sind bei Urlaubern immer beliebter. Die Frage ist – spätestens seit dem Januar dieses Jahres – nur, wie risikolos die Reisen zur See sind. Ein halbes Jahr, nachdem das Schiff Costa Concordia vor der italienischen Insel Giglio einen Felsen rammte und 32 Menschen in den Tod riss, hat der ADAC dies getestet.

Zehn häufig gebuchte Schiffe im Mittelmeer enterte ein Experten-Team des Autoclubs – und hat insgesamt viel Gutes vorgefunden. Allerdings beobachteten sie auch Mängel, insbesondere beim Sicherheitsmanagement. So liefen die vorgeschriebenen Seenotrettungsübungen bei vier Schiffen (Norwegian Epic, MSC Fantasia, Navigator of the Seas, MSC Splendida) nicht zufriedenstellend ab. „Teils, weil die Passagiere nicht nachhaltig genug zur Übung zusammengerufen wurden. Teils, weil die Instruktionen selbst zu oberflächlich waren“, heißt es im Bericht.

Dazu kommt oftmals ein schwerwiegendes Problem unterhalb der Wasserlinie. Offenbar ist es bei einigen Schiffen üblich, auf hoher See die wasserdichten Schotten geöffnet zu lassen, um die Arbeitsabläufe zu erleichtern. Dabei schreibt die internationale UN-Konvention zur Sicherheit auf See im Grundsatz vor, alle wasserdichten Türen geschlossen zu halten. Doch die Reedereien bedienen sich eines unter Experten bekannten Schlupfloches: Sie nutzen Ausnahmegenehmigungen der Flaggenstaaten. „Das ist eine Riesenschweinerei, aber völlig legal“, sagt Stefan Krüger, Experte für Schiffssicherheit von der TU Hamburg-Harburg.

Dass sich die Reisewütigen davon jetzt abschrecken lassen, ist jedoch schwer vorstellbar; sie wollen weiterhin bequem durch die Meere kreuzen. Im vergangenen Jahr buchten nach Angaben des deutschen Reiseverbands 1,8 Millionen Deutsche eine Kreuzfahrt, und in diesem Jahr werden es voraussichtlich noch einige mehr. Trotz der Havarie der Costa Concordia. Das Unglück und die darauffolgenden Nachfragen der Kunden waren es auch, die den ADAC veranlassten, Gutachter auf die Kreuzer zu schicken.

Zunächst fuhren diese eine Zeit lang inkognito als Gäste auf den Schiffen mit, später nahmen sie Kontakt zur Schiffsleitung auf, um die für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Bereiche und Einrichtungen zu besichtigen. In neun Fällen funktionierte das völlig problemlos. Nur der Kapitän der Costa Serena, einem Schwesterschiff der Concordia, hat – wie bereits berichtet – auf Anweisung der Reederei nicht kooperiert, teilte der ADAC mit. Die Serena, auf der 4800 Passagiere Platz finden, fiel damit aus der Wertung, was Costa inzwischen wohl bereut.

Die Reederei hat dem Autoclub jetzt angeboten, „die Bewertung jederzeit nachzuholen“. Wohl auch, um konkurrenzfähig zu bleiben. Denn das Ergebnis der Stichproben fiel auf den anderen Schiffen zufriedenstellend aus. Zwei Mal wurde sogar die Note „sehr gut“ verteilt: für zwei Aida-Schiffe. Alle anderen Kreuzer schnitten mit „gut“ ab. Als besonders positiv werteten die Tester den Service: „Die Crews waren in den meisten Fällen freundlich, hilfsbereit und im Umgang mit Passagieren professionell.“

Selbst in Sachen Technik gab es im Prinzip nichts zu beanstanden. Nur darüber, wie diese angewendet wird, sollten einige Angestellte der Branche noch einmal nachdenken. Damit es nicht nur bequem bleibt, sondern auch sicher.

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