Teure Rettung : Dschungelmädchen zahlt Lehrgeld

Affenforscherin Esther Carlitz muss für ihre Rettung aus dem kongolesischen Regenwald 15.000 Euro bezahlen. In den Dschungel will sie trotzdem schon bald wieder reisen.

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Vor Gericht. Die Biologin und Affenforscherin Esther Carlitz in Konstanz.
Vor Gericht. Die Biologin und Affenforscherin Esther Carlitz in Konstanz.Foto: ddp

Esther Carlitz will wieder in den Dschungel. Diesmal allerdings in Asien. Ihr erster Ausflug in den Regenwald endete ziemlich dramatisch. 2008 war die damals 23-jährige Pfarrerstochter aus Leipzig in die Demokratische Republik Kongo gereist, um in einem Forschungscamp des Max-Planck-Instituts (MPI) für evolutionäre Anthropologie im Salonga-Nationalpark Zwergschimpansen (Bonobos) zu beobachten. Schon am ersten Abend hatte sie sich zum ersten Mal verirrt, weil sie „ohne Rücksprache“ einer Affengruppe hinterhergerannt sei, berichtet die Sprecherin der Max-Planck-Gesellschaft, Christina Beck. Zwei Tage später ging sie dann tatsächlich verloren.

Zwischen acht und zwölf Tagen, die Angaben in den Veröffentlichungen nach ihrem Verschwinden im Regenwald variieren, war Esther Carlitz verschollen. Sie war mit einem MPI-Forscher einer Bonobo-Gruppe gefolgt – und bekam Hunger. Warum sie keinen Proviant mitgenommen hatte, ist in dem nun abgeschlossenen Verfahren vor dem Landgericht Konstanz über die Frage, wer die Rettungskosten zu tragen hat, nicht zur Sprache gekommen. Sicher ist nur: Esther Carlitz verließ den Forscher, weil sie überzeugt war, das Camp alleine wiederfinden zu können, mit einem Kompass und einer rudimentären Karte. Als Carlitz dann vor einigen Monaten die Rechnung des MPI bekam, sie sollte 66 121,55 Euro bezahlen, entschied sie sich ihrerseits, das MPI auf Schadenersatz zu verklagen. 100 000 Euro wollte Carlitz dafür, dass sie, wie ihre Anwältin Nuria Schaub argumentierte, keine „Anweisungen oder Belehrungen für das Verhalten im Dschungel“ bekommen habe und überdies nicht mit einer guten Karte und einem GPS-Gerät ausgestattet worden sei. Der Salonga-Nationalpark ist jedoch nicht vergleichbar mit einem Nationalpark in Deutschland. Präzise Karten gibt es im Kongo für nahezu kein Gebiet.

Esther Carlitz hatte jedenfalls Glück. Wilderer gabelten sie auf und brachten sie in eine Missionsstation. Nachdem Carlitz gute zwei Wochen darüber nachgedacht hat, hat sie nun einem vom Gericht vorgeschlagenen Vergleich zugestimmt. Sie zahlt 15 000 Euro in drei Raten. Und damit ist die Sache dann erledigt.

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