Thailand : Rettung mit dem Kriegsschiff

Nach den heftigen Unwettern bringt die thailändische Marine Urlauber aufs Festland – die Lage beruhigt sich langsam. Auf der Insel Koh Samui, die jedes Jahr hunderttausende Reisende besuchen, haben Sturzfluten mehrere Orte bis zu einen Meter tief unter Wasser gesetzt.

Sascha Zastiral
Mit einem Seil werden Urlauber auf den Flugzeugträger „Chakri Naruebet“ hochgezogen.
Mit einem Seil werden Urlauber auf den Flugzeugträger „Chakri Naruebet“ hochgezogen.Foto: Reuters

„Auf dem Weg zum Flughafen war die Straße auf der Hälfte der Strecke überschwemmt“, sagt Ben Garden in die Fernsehkamera. Der australische Tourist ist einer von tausenden Urlaubern, die auf der Ferieninsel Koh Samui von schweren Überflutungen überrascht worden sind. „Es war wirklich erschütternd.“

Die Orte auf dem Weg zum Flughafen seien menschenleer gewesen, auf der Straße hätten sich lange Staus gebildet. Dort angekommen dann die nächste unangenehme Überraschung: Hunderte von Menschen kampierten, zum Teil schon seit Tagen, im Terminal. Über mehrere Tage hinweg konnten wegen der schweren Unwetter keine Flugzeuge Koh Samui ansteuern. Ihren Traumurlaub haben sich die Thailand-Touristen sicher anders vorgestellt. Statt Sonne und Strand sehen sich derzeit etwa 15 000 ausländische Besucher schwersten Regenschauern und Überflutungen ausgesetzt. Die ungewöhnlichen Regenfälle begannen vergangene Woche und haben seitdem im Süden Thailands ganze Landstriche unter Wasser gesetzt.

Betroffen sind neben Koh Samui vor allem die Inseln Kho Tao und Koh Phangan. Mehrere Reiseveranstalter haben Reisen in den kommenden Tagen abgesagt.

Auf Koh Samui, das jedes Jahr hunderttausende Reisende besuchen, haben Sturzfluten mehrere Orte bis zu einen Meter tief unter Wasser gesetzt. In Teilen der Insel ist der Strom ausgefallen, Mobilfunk-Sendemasten wurden beschädigt. Nun steuern mehrere Fluggesellschaften die Ferieninsel wieder an. Fluggesellschaften haben mehrere Sonderflüge eingesetzt, um hunderte gestrandeter Fluggäste nach Bangkok zu bringen. „Wir bitten alle Touristen, in den Hotels zu bleiben und nicht zum Flughafen zu fahren, bis sich die Lage normalisiert hat“, warnt Bannasat Ruangjan vom Tourismusverband der Insel.

Dramatischer waren die Folgen auf der kleineren Insel Koh Tao. Dort war seit Tagen die Stromversorgung zusammengebrochen, die Lebensmittelvorräte wurden knapp. Kleinere Boote konnten wegen hoher Wellen die Inseln nicht verlassen. Thailands Marine brachte die Gestrandeten am Donnerstag mit Kriegsschiffen auf das Festland, von wo aus sie sich auf den Weg nach Bangkok machen konnten. Von einigen weiteren Inseln wurden die Menschen mit Hubschraubern der Marine evakuiert.

Mehr als 700 der Evakuierten haben die Nacht an Bord der HTMS Chakri Naruebet verbracht, Thailands einzigem Flugzeugträger. Im thailändischen Fernsehen waren Eltern zu sehen, wie sie an Deck des Kriegsschiffs ihre Kinder im Arm halten. Unter den Evakuierten waren US-Amerikaner, Australier, Franzosen, Briten und russische Staatsangehörige, erklärte das thailändische Tourismus-Ministerium.

Die Sprecherin des Deutschen Reise-Verbands, Sibylle Zeusch, sagte, dass derzeit 1500 deutsche Gäste auf Koh Samui seien. Nur wenige von ihnen hätten Beeinträchtigungen hinnehmen müssen. Manche seien wegen Wasserschäden in andere Unterkünfte verlegt worden.

Für die Menschen im Landesinneren ist das Schlimmste jedoch noch nicht ausgestanden. Erdrutsche und schwere Überflutungen haben vor allem in der Provinz Krabi schwere Verwüstungen ausgelöst. Auf Fernsehaufnahmen war zu sehen, wie auch am Donnerstag schlammige Wassermassen durch Dörfer im Katastrophengebiet strömten.

Insgesamt sind 840 000 Menschen von den Überschwemmungen betroffen. 61 größere Straßen seien durch die Wassermassen überschwemmt worden, erklärten Behördenvertreter am Donnerstag. In mehr als 4000 Dörfern habe es demnach Überflutungen gegeben.

13 Menschen sind bei den Überschwemmungen bislang ums Leben gekommen. Jedoch werden mehrere Menschen vermisst, sie sollen bei Erdrutschen ums Leben gekommen sein, die zwei Dörfer weitgehend zerstört haben. Einige Bergdörfer im Süden des Landes wurden aus Sorge vor Sturzfluten und Erdrutschen evakuiert.

Die schweren Regenfälle sind in dieser Jahreszeit äußerst ungewöhnlich. Eigentlich sind März, April und Mai die heißesten und trockensten Monate des Jahres, mit Temperaturen von bis zu 40 Grad. In weiten Landesteilen ist die Temperatur jedoch zeitweise auf bis zu 16 Grad gesunken. Die alljährlichen Monsun-Regenfälle setzen erst im Juni ein.

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