Welt : "The Race": In 65 Tagen um die Welt

Ralph Schulze

Die schnellsten Segelboote aller Zeiten sind am Silvestertag zu einer Regatta aufgebrochen, die sie in weniger als 65 Tagen nonstop rund um den Erdball führen soll. Die riesigen Katamarane passierten in der Neujahrsnacht Mallorca und nahmen am Montag Kurs auf die Meerenge von Gibraltar an der Südspitze der Iberischen Halbinsel. Der amerikanische Katamaran "Team Adventure" erwischte den besten Start und ging in Führung.

"The Race", wie der Kampf der Giganten offiziell heißt, gilt als größte Herausforderung in der Segelgeschichte. Rund 27 000 Seemeilen, also etwa 50 000 Kilometer, müssen die hochmodernen Segel-Geschosse zurücklegen, für deren Konstruktion keine Grenzen gesetzt wurden. In 58 bis 70 Tagen soll der Erste im französischen Marseille ankommen. Für die Gewinner locken Preisgelder von einer Million Dollar.

Neuer Superlativ gesucht

Der Weltrekord für die schnellste Erdumrundung per Segelboot liegt bei 71 Tagen und 14 Stunden. Diese Bestmarke dürfte bei "The Race" wahrscheinlich unterboten werden. Bereits 1993 schaffte es der Franzose Bruno Peyron, einen Traum seines Landsmannes, des Abenteuer-Schriftstellers Jules Vernes, zu verwirklichen und in 79 Tagen um die Welt zu reisen. Auf der Suche nach einem neuen Superlativ bastelte Peyron seitdem an der Planung dieses Jahrtausend-Rennens.

Die Segler leben während des zweimonatigen Marathons von gefriergetrockneter Nahrung. Sie schlafen in winzigen Kunststoff-Kajüten, in denen es weder eine Heizung noch eine Klimaanlage gibt. Die Regeln der Wettfahrt sind denkbar einfach: Die Segler dürfen außer der Windkraft keinen Antrieb nutzen. Wer in einem Notfall an Land geht, muss wenigstens einen Tag pausieren. Für den Bau der Schiffe gab es keinerlei Einschränkungen. Die Katamarane sind so konstruiert, dass sie möglichst leicht und ultraschnell sind. Sie haben aber auch eine große Schwäche: Sie sind nicht besonders stabil und laufen bei Stürmen schnell Gefahr zu kentern.

"The Race" verläuft über den gefährlichsten Kurs, der nur denkbar ist: um das afrikanische Kap der Guten Hoffnung, das Cape Leeuwin in Australien und das Kap Hoorn, die Südspitze Amerikas. In den Meeren der Südhalbkugel erwarten die Segler Stürme mit zehn Meter hohen Wellen. Zwischen der Antarktis und den stürmischen Kaps treiben Eisberge im Meer, die per Radar nicht immer auszumachen sind. Niemand wagt vorauszusagen, ob die sechs Schiffe jemals am Ziel eintreffen werden. Warnende Stimmen gab es genug, sogar von manchen Teilnehmern, die wegen der enormen Risiken eine Verschiebung oder gar Absage des Rennens forderten. Schon die Aufwärmphase war für die Skipper und ihre Super-Katamarane, die jeweils rund fünf Millionen Euro kosteten und etwa zehn Mann Besatzung haben, von Pannen begleitet.

Die britische "Team Phillips" musste bereits auf dem Weg nach Barcelona, bei schwerem Sturm im Atlantik, aus Seenot gerettet werden und schied aus. Das ebenfalls britische Boot "Team Legato" musste die abenteuerliche Reise um mehr als 24 Stunden aufschieben. Dem Skipper Tony Bullimore waren auf Grund knapper Sponsorengelder zwei Segler abgesprungen. Der Brite fand aber noch kurzfristig geeignete Leute für sein Team und nahm die Verfolgung auf.

Von Beruf Abenteurer

Neben der "Club Med" des Neuseeländers Grant Dalton gilt der US-Multi-Millionär Steve Fossett als einer der Favoriten. Der Berufs-Abenteurer machte zuletzt vor zwei Jahren Schlagzeilen, als er mit einem Heißluftballon die Welt umfahren wollte. Der Versuch endete mit einer dramatischen Notwasserung im Südpazifik. Nun soll alles besser werden. Fossett glaubt, dass er mit seinem Monster-Katamaran auch "in schwerer See richtig Gas geben" kann. Einer der besten deutschen Segler, der Profi Tim Kröger, hilft an Bord, damit Fossett beim Flug über die Wellen nicht die Kontrolle verliert. "Das größte Problem", sagt Kröger denn auch, "ist, diese Boote bei starkem Wind im Zaum zu halten."

Der spanische Segelprofi Guillermo Altadill, der auf der "Club Med" mitfährt, spricht offen über die Gefahren: "Diese Regatta bringt größere Risiken mit sich. Die Schiffe sind so schnell, dass sie Fahr- und Navigationsfehler kaum entschuldigen."

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