• #ThisIsACoup auf Twitter: "Griechen müssen jetzt Strümpfe zu den Sandalen tragen"

#ThisIsACoup auf Twitter : "Griechen müssen jetzt Strümpfe zu den Sandalen tragen"

Die Vorgehensweise Deutschlands in den Verhandlungen um Griechenland gefällt vielen Menschen weltweit nicht. Besonders ein Vorschlag von Wolfgang Schäuble wird als "Staatsstreich" kritisiert. Kai Diekmann hingegen fragt, ob der Finanzminister nicht gar der bessere Kanzler wäre.

Robert Klages
Der griechische Premierminister Alexis Tsipras mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten Francois Hollande bei den Verhandlungen der Euroländer in Brüssel am Montag.
Der griechische Premierminister Alexis Tsipras mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten Francois...Foto: dpa

Unter dem Hashtag #ThisIsACoup wird Deutschland auf Twitter derzeit ein "Staatsstreich" vorgeworfen. Deutschland habe unerfüllbare Maßnahmen von der griechischen Regierung gefordert. Viele User sind der Meinung, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble wollten den griechischen Premierminister Alexis Tsipras aus dem Amt drängen.

"Was diese Bundesregierung anrichtet, ist einfach nur beschämend", twittert ein Nutzer aus Deutschland. "So viele Goethe-Institute kann man gar nicht bauen, um den Schaden dieses Wochenendes wieder zu beheben", kommentiert ein anderer. "Griechen müssen jetzt Strümpfe zu den Sandalen tragen", bemerkt ein Münchener Rechtsanwalt humorvoll.

#ThisIsACoup war weltweit in vielen Ländern zeitweise unter den zehn meistverwendeten Hashtags gelistet, darunter Länder wie Ägypten, Kanada und die Türkei. Die Zahl der Beiträge stieg am Montag auf mehr als 200.000 an. Auch in Deutschland listete Twitter den Hashtag ganz vorn auf der Trendliste.

Übersetzt kann die Aussage so viel bedeuten wie: "Das ist ein Staatsstreich." Auch der Wirtschaftsnobelpreisträger und Kolumnist der New York Times, Paul Krugman, findet den Hashtag "exakt richtig". Die diskutierten Forderungen an Griechenland seien "Wahnsinn", schreibt Krugman. Bei dem Papier von Schäuble handele es sich um eine "komplette Zerstörung nationaler Souveränität". Gemeint ist der Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone auf Zeit, wie es Schäuble in einem Entwurf in Betracht gezogen hatte.

Obwohl das Papier des Finanzministers nicht zur Abstimmung kam, ist Schäuble zur obersten Zielfigur der Kritiker geworden: Eine Karikatur zeigt einen Sensenmann im Rollstuhl, der Schäuble darstellen soll. Mit seiner Sense zerschneidet er die griechische und europäische Fahne. Schäuble wird als Anführer eines "Neokolonialismus" gesehen. Ihm würde eine "Kapitulation" Griechenlands nicht reichen - er verlange eine "Demütigung". Das Reform-Papier des Griechischen Premierministers Alexis Tsipras wird in der Diskussion teilweise als "Kapitulation Griechenlands" gesehen. Barbara Lochbihler, die außenpolitische Sprecherin der Grünen im Europäischen Parlament schrieb an Schäuble gerichtet: "Sie reden von Vertrauen. Und legen ein Papier vor, das einer Erniedrigung gleichkommt."

Von anderer Seite hatte Schäuble zuletzt viel Zuspruch erhalten. Kai Diekmann, Chefredakteur der Bild-Zeitung, fragte in einem Tweet vom Sonntag, ob Schäuble nicht gar der bessere Kanzler sei.

Am Montagmorgen ist es während des Gipfels der Eurogruppe in Brüssel zu einer ersten Einigung gekommen. Alexis Tsipras gab sich zufrieden: Es sei das Beste, was für sein Land möglich gewesen sei. „Wir haben einen gerechten Kampf geführt“, sagte der Regierungschef Griechenlands am Montag nach dem Treffen in Brüssel. „Wir stehen jetzt vor schweren Entscheidungen.“

Die Kommentare zum Hastag #ThisIsACoup kamen vor der Einigung am Montag zusammen und stammen teils auch von renommierten Wissenschaftlern. So twitterte beispielweise der New Yorker Ökonom Branko Milanovic über den "Wahnsinn": Schäuble werde 55 Jahre europäischer Integration zerstören. Auch der US-Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman kritisierte die harte Haltung der EU gegenüber Griechenland in der Schuldenkrise. Die Liste der Forderungen der Euro-Gruppe sei "verrückt", schrieb Krugman in einem Kommentar in der "New York Times". Das europäische Projekt habe gerade einen furchtbaren, vielleicht sogar tödlichen Schlag erlitten. "Und was immer man von Syriza oder Griechenland hält - die Griechen haben es nicht verbockt."

Viele Kommentare fielen durch ihre Härte und Überspitzung auf: Ein Foto zeigt deutsche Offiziere vor der Akropolis. "Achtung. Ja, ja we're back", lautete die Bildüberschrift. Sogar "Griechenland in Auschwitz" ist zu finden - von der rechten Zeitung "Dimokratia", die genau so titelt. Natürlich gab es auch vereinzelte Kritik an dem Hashtag. "99,9 Prozent Schwachsinn gepaart mit Nazi-Sprüchen", schreibt ein User - und erntet dafür wiederum scharfe Kritik.

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