Thronfolge in Großbritannien : Damit ein Mädchen Königin werden darf

London will schnell die Erbfolgegesetze ändern. Die Zeit drängt. Das Gesetz muss in Kraft treten, bevor die Herzogin von Cambridge schwanger wird.

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Die Queen auf dem Commonwealth-Meeting in Perth, Australien. Sie ist die Vorsitzende des Commonwealth-Gremiums, das über die Änderung der Thronfolgeregelung entscheiden darf.Weitere Bilder anzeigen
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21.10.2011 12:48Die Queen auf dem Commonwealth-Meeting in Perth, Australien. Sie ist die Vorsitzende des Commonwealth-Gremiums, das über die...

Noch ist die Herzogin von Cambridge, Kate Middleton, nicht schwanger, so weit wir das wissen können. Trotzdem werden sich Staatsoberhäupter aus aller Welt beim Commonwealth-Gipfel Ende des Monats im australischen Perth mit der möglichen Geburt einer Tochter im Hause Cambridge befassen. Premier David Cameron regte die Debatte in einem Brief an seine Commonwealth-Kollegen an. Ziel ist, die seit 1701 gesetzlich festgelegten Thronfolgeregeln dem 21. Jahrhundert anzupassen und Geschlechtergleichheit herzustellen. Sollte Kates erstes Baby ein Mädchen sein, soll es nicht durch einen oder auch mehrere nachgeborene Brüder in der Thronfolge überholt werden.

„Es ist nicht einfach, aber wir müssen das anpacken“, sagt Premier Cameron über den diplomatischen Hochseilakt, für den britische Premiers seit 20 Jahren üben, bisher ohne Erfolg. Kompliziert ist die Sache, weil ein britischer Monarch auch Staatsoberhaupt von 15 anderen Nationen ist, die alle zustimmen müssten. Entlegene Länder wie Tuvalu mit seinen 10 000 Einwohnern oder „Sankt Vincent und die Grenadinen“, aber auch Staaten wie Kanada, Australien und Neuseeland, in denen es starke republikanische Bewegungen gibt. Mit einer Monarchiedebatte in Wespennestern zu stochern, ist mit Risiken verbunden. Aber Cameron – und die Queen selbst, die die Neuerungen unterstützt – haben hinter den Kulissen vorgearbeitet und glauben, dass die Chancen so gut sind wie nie.

Denn die Gelegenheit ist günstig. Die königliche Hochzeit hat die britische Monarchie auch in den „schwierigen“ Ländern wieder populär gemacht. Und die Zeit drängt. Der Abgeordnete Keith Vaz, der seit langem für die Änderungen wirbt, sagt mit einem verstohlenen Blick auf Kates Bauch: „Die Uhr tickt.“

Spekulationen über eine Schwangerschaft Kates reißen nicht ab. Im September musste der Buckingham Palast eine Klatschgeschichte dementieren, wonach Kate mit Zwillingen schwanger gehe. Dann meinte Victoria Beckham, Kate sei schwanger. Bald wurde behauptet, Kate sei „zu dünn, um schwanger zu werden“. Nun hat sie zugenommen. „Will mag es, dass sie etwas rundlicher ist“, meldete die Regenbogenpresse unter Berufung auf eine „königliche Quelle“. Toffee-Pudding soll für die schwangerschaftsfördernde Fülle gesorgt haben.

Die „Primogenitur“-Erbfolge steht nicht als Einziges auf dem Reformprogramm. Mindestens so kompliziert ist die Abschaffung der Regel, dass ein britischer Monarch keinen Katholiken heiraten darf und, noch absurder, dass jeder Abkömmling von König Georg dem II. (gestorben 1760), eine Heiratsgenehmigung der Queen einholen muss. „Eine historische Anomalität“ nannte Cameron all das.

Würde die Änderung gelingen, wäre vermutlich nicht nur das erste Baby von William und Kate betroffen. Ein Bonus für viele Briten wäre, dass Prinzessin Anne auf Platz vier der Thronfolge nach Charles, William und Harry rücken würde – vor dem unbeliebten Prinz Andrew. Die ehemalige Olympiasportreiterin gilt nicht nur als patente und bodenständige Frau. Sie hat auch, nach allem was man weiß, wohlgeratene Kinder – falls die Nachfolge bei William und Harry doch nicht klappen sollte.

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