Welt : Thüringen: Kampf um den Damm

Antje Kirsten[Leubingen]

Der kleine Ort ist abgeschottet, nur Presse und Hilfskräfte dürfen ihn noch betreten, einige Bewohner versuchen noch verzweifelt, ihre Häuser zu sichern. Am schlimmsten hat das Hochwasser in Thüringen die 1000 Einwohner von Leubingen getroffen. Seit fünf Uhr am frühen Morgen wurde der ganze Ort evakuiert.

Während sich die Lage in den meisten Hochwassergebieten Deutschlands entspannte und die Meteorologen wegen der nahenden Kälte und Trockenheit eine weitere Beruhigung in Aussicht stellten, stellte sich die Lage in Thüringen dramatisch dar. Zwei Drittel der Menschen in Leubingen sind bei Bekannten oder in Notunterkünften in der Umgebung untergebracht, die restlichen Bewohner helfen, den durchweichten Damm an der Lossa zu sichern, der schon am Morgen zu brechen drohte. Am Mittag haben die Bewohner, unterstützt von Hilfskräften der Feuerwehr, der Bereitschaftspolizei des THW und 400 Bundeswehrsoldaten, noch 40000 Sandsäcke nachgestapelt – bis zum späten Nachmittag hielt der Damm. Die Lossa ist ein Nebenarm der Unstrut. Der Hauptfluss ist normalerweise nur einen Meter tief, jetzt führt er fünf Meter Wasser, so viel wie seit 100 Jahren nicht. Schon seit Silvester waren die Menschen gewarnt, seit dem Neujahrstag sind sie ununterbrochen im Einsatz, seit der letzten Nacht ist die Lage prekär. Jetzt sind Polizeiboote und Hubschrauber gemeinsam mit Ortskundigen unterwegs, um die Lage an dem kleinen Flüsschen einzuschätzen.

Nichts Schlimmes dagegen ist in Bad Berka bei Weimar passiert. Dort sind Teile der Innenstadt gesperrt, Dutzende Keller voll Wasser gelaufen und auch einige Pensionen betroffen. Die Bewohner der Stadt an der Iln bezeichnen das Hochwasser zwar als „schon sehr drastisch“ – aber überflutete Keller sind sie gewohnt und größere Gefahr besteht nicht.

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