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Thüringen : Nachbarn sollen Flüchtling zum Suizid aufgefordert haben

Anwohner hatten offenbar "Spring doch" gerufen, bevor der 17-jährige Somalier sich aus dem Fenster stürzte. Der Jugendliche soll sich in psychiatrischer Behandlung befunden haben.

In der thüringischen Stadt Schmölln haben offenbar Schaulustige einen Flüchtling zum Suizid aufgefordert. Der 17-jährige Somalier hatte sich am Freitag aus den Fenster eines Obergeschosses eines Plattenbaus gestürzt und war im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen. Zahlreiche Medien, darunter der MDR und die Süddeutsche Zeitung , berichteten von Anwohnern, die dem Jugendlichen "Spring doch" zugerufen haben sollen, als er am Fenster saß. Außerdem sollen einige Nachbarn von den umliegenden Balkonen aus das Geschehen gefilmt haben.

In einem Video des MDR Thüringen bestätige der Bürgermeister von Schmölln, Sven Schrade (SPD), dass solche Informationen vorlägen. "Sowas kann man nur verurteilen", sagte er dem Sender. "Wenn jemand das als Erlebnis, wie einen Kinofilm, begreift und dann meint, er müsse auch noch auffordern, dann ist das ein unglaublicher Akt."

Polizeiabsperrung an einem Einsatzort (Symbolbild).
Polizeiabsperrung an einem Einsatzort (Symbolbild).Foto: dpa

Jugendlicher befand sich in psychiatrischer Behandlung

Die Polizei erwähnte die Rufe in ihrer Meldung nicht. Die Beamten wurden zu der betreuten Wohngruppe gerufen, weil der Jugendliche in der Unterkunft randalierte. Als sie eintrafen, saß er bereits auf der Fensterbank im fünften Stock des Hauses. Auch Rettungskräfte und Feuerwehr waren vor Ort. Die Polizei berichtete, dass sich der Somalier in psychiatrischer Behandlung in einer Klinik befunden habe. (Tsp)

Der Tagesspiegel berichtet nur ausnahmsweise über Selbstmorde. Und zwar in Fällen von besonderem öffentlichen Interesse. Hilfe finden Menschen mit Suizidgedanken bei der Berliner Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 (gebührenfrei).

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