Welt : Thüringer Bratwurst statt Fish and Chips

In Großbritannien entstehen immer größere Weihnachtsmärkte nach deutschem Vorbild.

Lilian McDowall[Glasgow]
Ihr Engländer, kommet. In Birmingham wird deutsches Bier ausgeschenkt. Foto: promo
Ihr Engländer, kommet. In Birmingham wird deutsches Bier ausgeschenkt. Foto: promo

Die Briten begeistert dieser Tage der erste Schnee des Jahres – und eine deutsche Tradition: Überall im Vereinigten Königreich sprießen „German Christmas Markets“, deutsche Weihnachtsmärkte, aus dem Boden. Ob in London, Edinburgh, Birmingham, Manchester oder Leeds – die Märkte haben sich zu echten Publikumsmagneten entwickelt. Einige verzeichnen inzwischen mehr Besucher als ihre deutschen Vorbilder.

Angefangen hat alles vor elf Jahren in Birmingham, der zweitgrößten Stadt Großbritanniens. Weihnachtsmärkte, wie man sie in Deutschland kennt, sind in Großbritannien eigentlich nicht gebräuchlich. Birmingham aber hat eine deutsche Partnerstadt: Frankfurt am Main. Um die Verbindung stärker hervorzuheben, installierten die Bürgermeister beider Städte im Jahr 2000 einen Markt nach dem Vorbild des Frankfurter Weihnachtsmarktes in Birmingham. Inzwischen hat die englische Kopie das Original überflügelt – mit 193 Ständen und drei Millionen Besuchern ist der Birminghamer Christmas Market nunmehr der drittgrößte Weihnachtsmarkt der Welt.

Das muss die Frankfurter aber nicht betrüben. Die deutsche Partnerstadt verdient jährlich mehr als 100 Millionen Euro an dem Birminghamer Markt. Sämtliche Stände dort werden von Deutschen betrieben und verkaufen deutsche Spezialitäten: Es gibt Bier, das nach deutschem Reinheitsgebot gebraut ist, Glühwein, Reibekuchen, Dresdner Stollen und Thüringer Bratwurst. Auch kistenweise Holzfiguren aus dem Erzgebirge treten die Reise nach England an.

In diesem Jahr dauert der German Christmas Market in Birmingham 37 Tage. „Er wächst und wächst“, sagt Birminghams Bürgermeister Mike Whitby. Auch in Schottlands Hauptstadt Edinburgh hat der „German Christmas Market“ in dieser Saison kräftig expandiert. Auf dem Glasgower Christmas Market genießen Erasmus-Studenten aus Deutschland gebrannte Mandeln und Crêpes mit Nutella. „Das ist genau wie zu Hause“, sagt Simone Theilmann, die aus Frankenthal in Rheinland-Pfalz kommt. „Nur leider etwas teurer.”

Petra Wetzel aus Erlangen, die seit 1994 in Glasgow Bier nach deutschem Reinheitsgebot braut und auf dem Christmas Market ausschenkt, erklärt sich den Erfolg so: „In Großbritannien ist Weihnachten enorm vom Konsum bestimmt. Jedes Jahr müssen die Geschenke zahlreicher und großartiger sein. Ich denke, den Menschen hier gefällt der Gedanke, dass es zu Weihnachten vor allem darum geht, Zeit miteinander zu verbringen. Das tun sie bei einem gemeinschaftlichen Bummel über den Weihnachtsmarkt.“

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