Welt : Tibeter haben Supergene

Forscher stellen extrem schnelle Veränderung fest

Washington - Die Tibeter haben in Rekordzeit die Fähigkeit entwickelt, sich auf die schwierigen Lebensverhältnisse in einer Höhe von über 4000 Metern einzustellen. Forscher fanden heraus, dass bei den Tibetern in weniger als 3000 Jahren die körperlichen Voraussetzungen entsprechend angepasst wurden, wie das US-Wissenschaftsjournal „Science“ berichtet. „Das ist die schnellste genetische Veränderung, die wir je bei Menschen beobachtet haben“, sagte Rasmus Nielsen von der kalifornischen Universität Berkeley, der eine Studie zu genetischen Unterschieden zwischen Tibetern und HanChinesen leitete.

Der Untersuchung zufolge spalteten sich die Tibeter und Han-Chinesen vor etwa 2750 Jahren. Während die größere Gruppe in das tibetische Hochland zog und schrumpfte, breiteten sich die Han-Chinesen im Tiefland rasch aus. Die Tibeter aber entwickelten die einzigartige Fähigkeit, im Gebirge auf über 4000 Metern Höhe zu leben, wo der Sauerstoff-Anteil in der Luft um 40 Prozent geringer ist als auf Meereshöhe. „Für solch eine starke Veränderung mussten wohl viele Menschen sterben, weil sie die falsche Version eines Gens hatten“, erläuterte Nielsen. Vor allem ein bestimmtes Gen, das sogenannte „Super-Athleten-Gen“ EPAS1, breitete sich bei den Tibetern rasant im Vergleich zu den Han-Chinesen aus. Die neuen Erkenntnisse könnte die Forscher zu bisher noch unbekannten Genen führen, die bei der Reaktion des Körpers auf ein niedrigeres Sauerstoff-Niveau eine Rolle spielen. Dies könnte vielleicht auch einige Krankheiten erklären. „Das ist das erste Mal, dass wir durch Evolutionsdaten allein die wichtige Funktion eines Gens bestimmen konnten“, erklärte Nielsen. Wenn Menschen aus niedrigeren Regionen sich auf eine Höhe von über 4000 Metern begeben, werden sie schneller müde, bekommen Kopfschmerzen, Neugeborene wiegen weniger und die Kindersterblichkeit steigt. Tibeter und andere Völker im Hochland etwa in den südamerikanischen Anden haben solche Probleme nicht. AFP

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