Welt : Ticket zum Mond

Touristen ins All brauchen viel Geld und Glück

Elke Windisch[Moskau]

Wenn die ersten Strahlen der Morgensonne die kasachische Steppe röten, hebt die Raumkapsel ab. Schönheit geht vor – denn an Bord ist neben dem Raumschiffkommandanten ein zahlungskräftiger Tourist, der einmal Mond hin und zurück gebucht hat. Diesen famosen Plan hat jedenfalls der russische Raumfahrtkonzern „Energija“. Den „ultimativen Kick“ verspricht dem Reisenden schwärmend der neue Chef des Unternehmens, Nikolaj Sewastjanow. Mit der Expedition werde absolutes Neuland betreten.

In der Tat: Professionelle Kosmomauten schickte Moskaus Raumfahrtagentur bisher nicht auf diese Route. Aus gutem Grund, wie Experten vermuten: Zwar wurden in Russland einzelne Elemente eines Mondflugs trainiert, nie aber ihr Zusammenspiel. Auch lasse die Technik bisher zu wünschen übrig, warnte der Kosmonaut Alexej Leonow bereits in der „Iswestija“. Er weiß zu gut, wovon er spricht: An den Mucken eines schon 1967 entwickelten und für die Seestarts von Satelliten in den Neunzigern leicht modernisierten Zusatztriebwerks scheiterte schon die sowjetische Mondexpedition in den Achtzigern, bei der Leonow das Kommando übernehmen sollte. Auch das Desaster der russischen Marsexpedition 1996 und der Absturz des europäischen Telekommunikations-Satelliten Astra-1-K 2002 werden dem Aggregat angelastet. Mit diesem Zusatztriebwerk für die Proton-Trägerrakete soll die Kapsel von der Internationalen Weltraumstation ISS wieder auf Kurs Richtung Erdtrabant gebracht werden, wo die Mondflieger laut Reiseplan die erste von insgesamt zwei Wochen Aufenthalt im All verbracht haben werden.

Eine Fußwanderung auf dem Mond ist nicht geplant – danach müssten die Triebwerke für den Rückflug zur Erde ein zweites Mal gezündet werden. Auch Frau Lunas Kehrseite bekommen Mond-Touris nicht zu sehen: Die Komplettumrundung des Trabanten sei zu teuer und vor allem zu gefährlich, heißt es. Der Ausflug ist ohnehin nicht billig: 100 Millionen Dollar wollen Raumfahrtagentur und „Energija“ für das Ticket kassieren.

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