Tiere : Wo sich Männchen Mühe geben müssen

Auch Tiere haben Paarprobleme - ein Buch beschreibt Beziehungsverhalten in einer anderen Welt.

Elisabeth Binder
Schimpanse
Raubt dem Weibchen Früchte, um ihm zu imponieren: Der Schimpanse. -Foto: dpa

Das Weibchen des Webervogels mag es gar nicht, wenn das Männchen ein unschönes Nest gebaut hat. Um Zuneigung zu gewinnen, muss das Männchen ein schäbiges Nest einreißen und völlig neu bauen. Rebhühner hingegen können Macho-Hähne nicht ausstehen, die ständig kämpfen. Sie bevorzugen grundsätzlich Hähne, die sich stattdessen um sie selber kümmern.

In der Menschenwelt vermehren sich Beziehungsratgeber wie Schaben. Man weiß gar nicht mehr, wo man anfangen soll, alles zu lernen, was man richtig und falsch machen kann mit dem jeweils anderen Geschlecht. Mitunter hilft es die Perspektive zu wechseln. „Warum Pandas Handstand machen… und andere Merkwürdigkeiten aus dem Reich der Tiere" von Augustus Brown ist deshalb ein überaus unterhaltsames Buch, weil es sich in weiten Teilen mit der Frage auseinandersetzt, warum auch im Tierreich Männlein und Weiblein sich oft schwer tun miteinander, und wie sie trotzdem das Beste draus machen.

Die kalifornische Winkerkrabbe etwa schaut sich im Durchschnitt die Wohnhöhlen von 23 männlichen Krabben an, bevor sie sich mit einem der Kandidaten paart. Den Rekord hält ein Weibchen, das zunächst 106 Höhlen inspizierte, bevor es den richtigen Paarungspartner fand. Schaben hingegen mögen in ihrer Jugend stark riechende Männchen und werden mit zunehmendem Alter immer weniger wählerisch. Am Ende nehmen sie sich ein Beispiel an den Männchen, die sich mit allen Weibchen paaren, die noch Lebenszeichen von sich geben.

Das „Wie“ der Paarung ändert sich im Laufe der Zeiten. Während früher alle Vögel einen Penis hatten, sind es heute nur noch drei Prozent, zu denen immerhin die Schwäne zählen. Haie, Eidechsen und Spinnen sind luxuriöserweise gleich mit jeweils zwei Penissen ausgestattet, die nach Beobachtungen von Forschern abwechselnd verwendet werden oder unter dem Gesichtspunkt, welcher gerade am besten mit Sperma versorgt ist. Dafür können weibliche Känguruhs ohne Unterbrechung bis zu ihrem Tod schwanger sein und Milch produzieren, sobald sie erst einmal die Geschlechtsreife erlangt haben.

Von tierischen Vätern wird mitunter viel mehr verlangt, als von menschlichen. Kaiserpinguine etwa müssen zwei Monate lang ein einziges Ei mit ihrer Körperwärme vor der arktischen Kälte schützen und bebrüten. Im Durchschnitt wiegen sie 40 Kilo, wenn es losgeht und am Ende nur noch die Hälfte. Noch stärker sind die männlichen Seepferdchen gefordert, denn dies ist die einzige Tierart, bei der das Männchen schwanger wird. Durch eine Röhre führt das Weibchen die Eier in die Bruttasche des Männchens ein und checkt während der Schwangerschaft dann nur noch etwa zehn Minuten täglich, ob beim Männchen auch alles in Ordnung ist.

Bei den Alligatoren hingegen zeigt sich, dass Weibchen Entbehrungen besser standhalten. Beträgt die Temperatur des Nestes 32 bis 34 Grad, wird das Junge männlich. Sind es nur 28 bis 30 Grad, wird es wahrscheinlich ein Weibchen. Kinder, die nicht hören können, kennen Tiere ebenfalls, sogar im wörtlichen Sinne. Kaulquappen werden nämlich tatsächlich vorübergehend taub, bevor sie sich in Frösche verwandeln. (Vermutlich bekommen sie ein ganz besonders feines Gehör, wenn sie den nächsten Schritt vollziehen und sich durch einen menschlichen Kuss in edle Prinzen verwandeln.)

Es geht nicht nur um Beziehungen in dem Buch, auch um andere Kuriositäten. Das viel gerühmte Elefantengedächtnis etwa ist den hoch geachteten Elefantenomas zu danken, die persönliche Erinnerungen dazu verwenden, jüngeren Herdenmitgliedern beizubringen, wie man am besten auf Gefahren reagiert und außerdem entscheiden, wo die Herde frisst und trinkt. Und wenn sie dann gestorben sind, trauern die anderen Elefanten auch für Menschen erkennbar um die Toten. Für Zebrafische hingegen ist ein gebrochenes Herz kein Problem, weil sie fehlende oder beschädigte Herzmuskeln regenerieren können.

Man mag von Tieren nichts Konkretes fürs eigene Liebesleben lernen können. Aber es hilft immer, die Phantasie zu trainieren, um zu konstruktiven Konfliktlösungen zu gelangen. Und dabei hilft diese Lektüre auf jeden Fall.

Augustus Brown, „Warum Pandas Handstand machen ...und andere Merkwürdigkeiten aus dem Reich der Tiere“, Ullstein, 14 Euro.

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