Tierquälerei : Wertvolle Federn – gequälte Gänse

Diese Nachricht schockierte selbst erfahrene Umweltaktivisten: Ein Züchter aus Niedersachsen hat seine Tiere lebendig gerupft. Der Betrieb erhält jedes Jahr hohe Fördergelder von der EU.

Marc Mudrak
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Opfer: Lebenden Gänsen dürfen keine Federn ausgerissen werden. -Foto: Vier Pfoten

BerlinWas die versteckten Kameras der Tierschutzorganisation Vier Pfoten auf der niedersächsischen Gänsefarm aufzeichneten, schockierte selbst erfahrene Umweltaktivisten. Seit dem frühen Morgen pressen Arbeiter des Großzüchters Schwerk in Wistedt bei Hamburg tausende Gänse gegen die rotierenden Messer einer Spezialmaschine. Damit reißen sie den Vögeln die Brust- und Bauchfedern bis auf die nackte Haut heraus. Die Geräte werden sonst nur für tote Gänse auf dem Schlachthof verwendet.

Die Aufnahmen der Tierschützer dokumentieren ein blutiges Spektakel. „Die Tiere waren in Panik, viele wurden verletzt oder starben“, erinnert sich Marcus Müller, der den Einsatz der Naturschützer leitete und selbst vor Ort war. Die Aktivisten von Vier Pfoten verfolgten einen Hinweis aus der Bevölkerung. „Das Drama hat sich wohl über viele Tage hingezogen“, befürchtet Rechercheleiter Marcus Müller.

Die Federn sollten nachwachsen um wieder gerupft zu werden

Nun ermittelt der Staatsanwalt gegen den Betreiber der Gänsefarm. Denn der sogenannte Lebendrupf ist in Deutschland strafbar. Die Rupfmaschinen wurden von den Behörden beschlagnahmt. Nur bei toten Vögeln darf das Federkleid entfernt werden. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Hans-Michael Goldmann richtete eine Anfrage an die Bundesregierung, ob ihr die Anwendung solcher Methoden bekannt sei. In der Antwort des Landwirtschaftsministeriums würden die Praktiken des Gänsebetriebes verurteilt, heißt es aus Goldmanns Büro. Das niedersächsische Ministerium habe demnach zugesagt, die Kontrollen in Geflügelbetrieben künftig zu verstärken.

Durch das Rupfen der Brustfedern werden Daunen für Betten und Kopfkissen gewonnen. In dem fraglichen Betrieb werden 12 000 Gänse gehalten. Mit denen wollte der Geflügelzüchter illegal Kasse machen, glauben die Tierschützer. Denn da bei lebenden Gänsen die Federn nachwachsen, können diese immer wieder zu Geld gemacht werden. „Wenn er alle Gänse rupft, kann er mehr als 150 000 Euro verdienen“, rechnet Marcus Müller vor und schließt daraus: „Das Motiv für dieses brutale Vorgehen war Gier.“

Den Behörden ist nie etwas aufgefallen

Manfred Schwerk ist Juniorchef des verdächtigten Betriebes. Er leitet die vier Farmen, die allesamt im Familienbesitz sind. Schwerk äußert sich freimütig zu den Vorwürfen. Dabei streitet er nicht einmal ab, dass auf seinen Weiden 3000 lebendigen Gänsen die Federn ausgerissen wurden. Aber nicht aus Geldgier. „Die Ganter hatten eine neuartige Geschlechtskrankheit und zur Untersuchung mussten ihnen die Federn entfernt werden“, beteuert Manfred Schwerk. Tierschützer Marcus Müller widerspricht: Auf der Gänsefarm gäbe es fast nur weibliche Tiere. „Deshalb hätten niemals tausende Tiere derart gequält werden müssen.“

Die Gänsefarm erhielt im vergangenen Jahr 165 000 Euro EU-Fördergelder. Die Aktivisten von Vier Pfoten sprechen sogar von 650 000 Euro, die der Betrieb seit 2005 erhalten habe. Die muss Schwerk zurückzahlen, sollte sich der gegen ihn erhobene Verdacht bestätigen, teilte das niedersächsische Landwirtschaftsministerium mit. Die niedersächsischen Grünen forderten die Einrichtung eines Untersuchungsausschusses .

Haben die Behörden nachlässig oder zu spät reagiert? Zwar fanden regelmäßige Kontrollen auf der Farm statt. „Doch da ist uns nie etwas Verdächtiges aufgefallen“, verteidigt sich die zuständige Veterinärin Astrid Krüger. Stattdessen kritisiert sie das Vorgehen der Tierschützer. Die weihten zuerst die „Bild am Sonntag“ ein. „Die Polizei erfuhr erst Tage später aus der Zeitung von dem Skandal.“ Marcus Müller von Vier Pfoten hält sein Vorgehen dennoch für gerechtfertigt. „Das Amt hätte zu langsam reagiert“, sagt er.

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