Tierwelt : Florida im Würgegriff der Riesenschlangen

Pythons bedrohen die Artenvielfalt in den Everglades. Zu Besuch bei einem Schlangenjäger in Florida.

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Riesenfang. Die Jäger stoßen schon mal auf Pythons, die mehr als fünf Meter lang sind.
Riesenfang. Die Jäger stoßen schon mal auf Pythons, die mehr als fünf Meter lang sind.Foto: dapd

Dort, wo das Gras so hoch gewachsen ist, dass es bis zur Hüfte reicht, ist die Chance am größten. Genauso groß etwa wie die Gefahr, die Jeffrey Fobb bei seiner Arbeit stets begleitet. Der Mann stapft in seinen schweren schwarzen Stiefeln durchs Grasland, langsam, aber bestimmt. Dann raschelt es. Und plötzlich geht alles ganz schnell: Er geht in die Knie, setzt zwei beherzte Griffe, einen kurz hinter dem Kopf des Tiers, den anderen weiter hinten. Die Python versucht sich noch zu wehren, sie reißt ihr Maul auf, doch eine Chance hat sie jetzt nicht mehr.

Jeffrey Fobb, der so breit ist wie ein Schrank, wird sie gleich in einen kleinen Sack packen. Wieder ein kleiner Erfolg, wieder hat er der Natur, seinem Land etwas Gutes getan. Das ist sein Job. Jeffrey Fobb ist Schlangenjäger, offiziell nennt sich sein Posten Chef der Gifteinheit bei der Feuerwehr. Sein Einsatzgebiet sind die Everglades, wo die Pythons zur Plage geworden sind. Zehntausende haben sich in freier Wildbahn breitgemacht und „richten Amerikas schönstes und reichstes Ökosystem zugrunde“, wie Marcia McNutt sagt, die Leiterin der US-Behörde für Geologie. „Nur ein schnelles und kühnes Eingreifen durch den Menschen kann die Schlangen noch stoppen.“

Ginge es nach McNutt, müsste es dringend mehr Menschen wie Jeffrey Fobb geben. Zusammen mit drei Kollegen wacht er hauptverantwortlich über 1,2 Millionen Hektar Land – vom See Okeechobee bis in den Südzipfel des US-Bundesstaats Floridas erstreckt sich sein Gebiet. „Wenn man da eine Schlange fangen will, muss man echt Glück haben“, sagt er. Glück – und Erfahrung. Fobb ist mitten in den Everglades aufgewachsen und fand die Tiere schon als kleiner Junge faszinierend, er hat zig Bücher über sie gelesen, und seit mehr als 20 Jahren beschäftigt er sich nun schon professionell mit ihnen.

Mittlerweile weiß er genau, wo sie sich am ehesten verstecken und wie man sie am besten erwischt. Gegen ihre rasante Verbreitung in den Sümpfen Floridas konnte aber auch er bisher nur wenig ausrichten. Das Problem ist, dass vor allem die riesigen Tigerpythons – mehr als fünf Meter können sie groß werden – keine natürlichen Feinde in der Region besitzen. Dafür fressen die Würgeschlangen so ziemlich alles, was ihnen vors Maul kommt: Vögel, Luchse, Katzen, Eichhörnchen, Kaninchen, Füchse und manchmal sogar Hirsche oder Alligatoren. So wird das natürliche Gleichgewicht gestört und vielleicht bald noch mehr.

Seit Jahrzehnten lockt der Everglades Nationalpark, der etwa die Hälfte des gesamten Sumpfgebiets ausmacht, Touristen nach Florida. Wie im benachbarten Big Cypress Nationalpark lassen sie sich auf Luftbooten durch die Gegend sausen, um genau das zu sehen: Artenvielfalt und unberührte Natur. Doch ein Großteil der in Südflorida beheimateten Säugetierarten haben die Pythonschlangen schon gänzlich ausgerottet – neue Studien gehen davon aus, dass bald 90 Prozent der ursprünglichen Fauna betroffen sein könnten. Sind die Tiere noch zu retten? Dass sich die wildernden Schlangen ihrerseits auslöschen lassen, hält Fachmann Fobb für illusorisch. „Unser Ziel kann es nur sein, das Problem einzudämmen. Für die Natur wäre es allerdings am besten, wenn es hier keine einzige Python gäbe.“

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