Tiger Woods : Amerika verzeiht ihm nicht

Nach Tiger Woods’ vorläufigem Rückzug springen die Sponsoren ab und Kommentatoren ergehen sich in rassistischen Betrachtungen.

Rita Neubauer[San Francisco]
Woods
Tiger Woods und Elin Nordegren -Foto: AFP

Mit höflichen doch bestimmten Worten distanzierten sich am Wochenende die ersten Sponsoren von Tiger Woods. Man wolle die Rolle des Golfstars in der Werbung einschränken, teilte ein Sprecher des Rasiererherstellers Gillette mit. Auch der Kommunikationskonzern AT&T will die Verträge überprüfen. Und Pepsi, das in seiner Weltraum-Werbung Woods als den „größten Sportler auf Erden“ feiert, will sein Getränk „Gatorade Tiger“ zurückziehen. Nicht nur zogen Woods’ Hauptsponsoren, die für 80 Prozent seiner Einnahmen von jährlich 100 Millionen Dollar sorgen, nun die Konsequenzen aus der schrillen Sexaffäre, die die Welt in Atem hält. Der Milliardär selbst zog die Reißleine – zwei Wochen nach seinem mysteriösen Autounfall, der die größte Klatschgeschichte des Jahres lostrat.

Woods hatte am Freitag nach tagelangen Spekulationen um sein Liebesleben zugegeben, seiner Frau Elin Nordegren untreu geworden zu sein. „Nach langer Gewissensprüfung habe ich beschlossen, eine unbestimmte Pause vom Profi-Golf einzulegen“, schrieb der 33-Jährige auf seiner Website. Er wolle sich darauf konzentrieren, ein besserer Ehemann und Vater zu sein. Für den Golfsport kommt die Affäre und der Rückzug von Tiger Woods zu einem ungünstigen Moment. Die Golfsport-Organisation kämpft um die Vertragsverlängerungen mit mehreren Titelsponsoren. 2010 stehen zudem Verhandlungen über einen neuen Fernsehvertrag an. Wenn Tiger Woods endgültig ausscheiden sollte, wäre das ein schwerer Schlag für den Golfsport. Die Preisgelder haben sich seit seinem Debüt als Profi 1996 mehr als verdreifacht. Sein Erfolg hat Golf nicht nur das Image eines Altherrensports genommen. Kein Spieler zieht die Massen so in Bann wie Woods.

Seit zwei Wochen überschlagen sich die Nachrichten. Zuerst der mysteriöse Autounfall, dann Gerüchte um eine, dann zwei Geliebte. Nun sollen es mehr als zehn Frauen sein, mit denen er sich vergnügte. Darunter Nachtclub-Hostessen, eine Eventplanerin und Pornostars. Sein lahmes Mea Culpa auf seiner Website hat die Gerüchteküche nicht beruhigt. Im Gegenteil, sein Schweigen hat die Flammen erst recht angefacht. Dass die Öffentlichkeit nicht genug kriegen kann, hat vor allem mit Woods’ Saubermann-Image zu tun. Hat er doch über Jahre das Bild eines Übermenschen aufrechterhalten und seine Privatsphäre verteidigt. Wenn auch viele Journalisten diesen Wunsch verstehen, im Falle Woods greift er nicht, sagen sie. Denn Woods habe ein öffentliches Image und ein Vorbild an Tugend aufgebaut. Mit diesem Image habe er eine Menge Profit gemacht und müsse sich deshalb gefallen lassen, von der Presse in Augenschein genommen zu werden.

„Es handelt sich nicht um einfachen Ehebruch“, sagt ein Beobachter. „Tigers Fall ist ein öffentliches Drama, ein Melodrama für das Land. Denn Amerika selbst fühlt sich hintergangen.“ Nicht nur ist Herr Saubermann nicht besser als der Rest der Welt. Die Nation fragt sich, wer der wahre Woods ist. Was steckt wirklich hinter der langweiligen Biedermann-Fassade? Nur ein simpler Ehebrecher oder ein sexbesessener Schürzenjäger, der bis zu 40 000 Dollar für ein Wochenende mit einer Edelnutte bezahlte.

Letzteres behauptet Michelle Braun, die früher eine exklusive Escort-Agentur in Las Vegas unterhielt. Zwei ihrer Angestellten, Holly Sampson und Jamie Jungers, wollen beide eine Affäre mit ihm gehabt haben. Für die puritanische US-Gesellschaft ist das ein gefundenes Fressen. Doch zur Schadenfreude kommen noch andere Faktoren hinzu. Das Versagen der Vermarkter beispielsweise, behauptet Michael Wolff in „Vanity Fair“. „Die Leute lieben es, wenn PR versagt.“ Nach zwölf Jahren gemanagtem Auftreten bröckelt der Putz so gewaltig, dass auch kein noch so teures Krisenmanagement mehr hilft.

Männliche Kommentatoren nehmen Woods oftmals in Schutz. Die Verführungen seien zu groß, er sei eine reiche Beute für Goldgräberinnen und Groupies. Selbst seriöse Kommentatoren wie Eugene Robinson von der „Washington Post“, ein Pulitzerpreisträger, forderte „Lasst Tiger in Ruhe!“ Den Afro-Amerikaner treibt vor allem die Frage um, warum Woods’ Gespielinnen alle den gleichen Barbie-Look – schmale Taille, lange Beine und Silikonbusen – hätten und zudem alle weißer Hautfarbe seien.

Er ist nicht der Einzige. Nicht nur können Amerikas versteckte Rassisten ihre Schadenfreude nicht verbergen. Auch die schwarze Community rupft ein Hühnchen mit Woods. Definiert sich doch dieser wegen seiner thailändischen Mutter nicht als Schwarzer.

Manche Schwarze betonen, dass es egal sei, dass die Gespielinnen alle weiß seien, da Tiger „nicht wirklich schwarz“ sei. Andererseits irritiert schwarze Frauen wie Denene Miller die Vorliebe erfolgreicher schwarzer Männer für weiße Frauen. „Wir diskutieren dies seit Jahren“, sagt die Autorin. „Warum sie, sobald sie etwas Erfolg haben, sich die nächste Blondine schnappen.“

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