Tim K. : Eltern des Amoktäters dementieren psychotherapeutische Behandlung

Der Amokläufer von Winnenden war nach Auskunft seiner Eltern nie in psychotherapeutischer Behandlung. Die Polizei hatte zuvor angegeben, Tim K. hätte sich wegen Depressionen behandeln lassen - und bekräftigte dies am Samstag erneut. Derweil wurde das erste der Opfer unter großer Anteilnahme beigesetzt.

München/WinnendenIn Winnenden wurde am Samstag das erste Opfer des Amoklaufs beerdigt. Hunderte trauerten vor der Schule, wo das Massaker begann. Viele hundert Menschen gaben der Zehntklässlerin das letzte Geleit. "Wir können die Tat nicht begreifen, die ihr den Tod brachte", sagte der Priester in der katholischen Trauerfeier. Unter den Trauergästen waren auch zahlreiche Mitschüler der Klasse 10d, die den Amoklauf und den Tod des Mädchens mitangesehen hatten. "Ihr seid jung und dürft weiterleben. Ich wünsche Euch, dass irgendwann die Freude in Euer Leben zurückkehrt", sagte der Geistliche.

Währenddessen ging die Diskussion um die Hintergrunde des Amoklaufes weiter. Zu der Frage, ob der Täter Tim K. in psychotherapeutischer Behandlung gewesen war, gab es widersprüchliche Angaben. Über ihren Anwalt dementierten seine Eltern im Nachrichtenmagazin "Focus" bisherige Behördenangaben und erklärten weiter, ihr Sohn sei auch in keiner Klinik wegen Depressionen behandelt worden. Die Polizei hatte nach dem Amoklauf mit 16 Toten vom Mittwoch mitgeteilt, Tim K. sei wegen Depressionen in psychiatrischer Behandlung gewesen, die er jedoch abgebrochen habe. Am Samstag bekräftigten die Ermittler ihre Angaben erneut, Tim K. sei im vergangenen Jahr in einer psychiatrischen Spezialklinik "mehrmals vorstellig" geworden. Polizeidirektion und Staatsanwaltschaft Stuttgart teilten mit, Tim K. sei zwischen April und September 2008 im Klinikum Weissenhof in Weinsberg gewesen.

Arzt bestätigte Klinikbesuche von Tim K.

Der Anwalt der Familie, Achim Bächle, sagte der "Bild am Sonntag", er erwäge rechtliche Schritte gegen den Arzt, weil dieser seine Schweigepflicht gebrochen habe. Der Leiter des Klinikums Weissenhof in Weinsberg, Matthias Michel, hatte am Donnerstag im SWR gesagt: "... der spätere Täter wurde bei uns behandelt, im Jahr 2008 auf ambulanter Basis, das heißt, er hat insgesamt fünf Termine hier bei uns gehabt und zwar dem Alter entsprechend in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und in der dortigen Ambulanz." Bächle betonte in der "BamS" erneut, der 17-jährige Tim K. sei nicht in psychotherapeutischer Behandlung gewesen.

Der Anwalt wies zudem im Namen seiner Mandanten zurück, dass sich im Keller des Familienhauses ein Schießstand befinde. Das Motiv des Amokläufers liegt bisher im Dunkeln. Der 17-Jährige hatte am Mittwochmorgen an seiner früheren Schule und auf der Flucht 15 Menschen und sich selbst erschossen.

Bericht: Tim K. beschäftigte sich mit Amokläufen

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" spielte der Amokläufer am Abend vor der Tat Killerspiele im Internet. Tim K. habe am Dienstagabend "Far Cry 2" am heimischen Computer gespielt, berichtet das Magazin unter Berufung auf die Ermittler. Die Polizeidirektion Waiblingen widersprach dieser Darstellung: Es gebe dafür "momentan keine gesicherten Hinweise", teilte sie am Samstagabend mit. Auf dem Rechner des Täters sei allerdings eine "größere Zahl" Pornobilder gefunden worden. Darunter hätten sich Abbildungen von nackten und gefesselten Frauen befunden. Auch die Ballerspiele "Counterstrike" und "TacticalOps" seien auf dem Computer installiert gewesen.

Laut "Spiegel" hat sich Tim K. schon vor Monaten mit Schulmassakern beschäftigt. Der 17-Jährige sei unter mehreren Pseudonymen wie "JawsPredator1" im Internet aktiv und gewesen und habe unter anderem bei der Plattform "MyVideo" ein Profil gehabt. In einem der Diskussionsforen zu den Schulmassakern von Erfurt und Emsdetten meldete sich demnach am 23. August 2008 "JawsPredator1" zum Thema Amokläufer zu Wort: "Das witzige ist ja selbst wenn diejenigen es ankündigen glaubt es ihnen niemand." Als Autor vermuten die Ermittler dem Bericht zufolge Tim K..

Aussagen seines Vaters bei der Polizei zufolge soll Tim laut "Spiegel" ihn mindestens dreimal zu Schießübungen im Schützenverein begleitet haben, zuletzt vor drei Wochen. Die Übungen fanden mit der späteren Tatwaffe, einer Beretta, statt. (imo/jnb/dpa)

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