Titel-Schwindel : Bambi-Preisträger erstattet Selbstanzeige

Falscher Doktor: Der Bambi-Preisträger und Vorsitzende des Vereins "Kinder brauchen uns", Markus Dewender, hat sich selbst wegen Titelmissbrauchs angezeigt.

Markus Dewender Foto: dpa
Markus Dewender. -Foto: dpa

Mülheim/RuhrDewender bestätigte Informationen des Magazins "Der Spiegel", wonach er zu Unrecht einen Ehrendoktor- und einen Doktortitel führe. Er sei einem dubiosen Berater aufgesessen. "Das war mein persönlicher Fehler. Ich war gutgläubig und habe zu leichtfertig und unkritisch gehandelt", sagte Dewender. Ob er Chef des Vereins bleibe, hänge vom Vertrauen der Mitglieder ab. "Ich bin nicht der Verein. Ich werde den Kopf nicht in den Sand stecken. Ich klebe nicht an diesem Posten."

Die Hilfsorganisation "Kinder brauchen uns" koordiniert Projekte für kranke und schwer verletzte Kinder aus Afghanistan und organisiert für sie medizinische Hilfe in Deutschland. Ende November war der Verein mit einem Bambi geehrt worden. Der Bambi-Veranstalter Burda will nach der "Spiegel"-Veröffentlichung den Fall unter die Lupe nehmen. "Wir werden das prüfen und behalten uns weitere Schritte vor", sagte ein Burda-Sprecher in München.

"Viel zu unkritisch"

Nach Darstellung Dewenders habe eine Firma aus Zürich ihm zunächst den Ehrendoktortitel angetragen und ihn danach zu einem Promotionsverfahren an einer polnischen Universität überredet, wobei Dewender selbst nur die Struktur einer Doktorarbeit entwerfen sollte. "Ich habe das viel zu unkritisch angenommen", sagte Dewender.

Energisch wehrte sich Dewender gegen den Vorwurf, dass seine Adoption zweier afghanischer Kinder von einer für Hilfsorganisationen unprofessionellen mangelnden Distanz zeuge. Die beiden von ihm adoptierten Brüder hätten unter einer schweren Hauterkrankung gelitten, die stete medizinische Betreuung bedürfe. Eines der beiden Kinder sei Ende November gestorben.

Im Januar will der Verein laut Dewender 70 Kinder aus Afghanistan nach Deutschland einfliegen lassen. Andernfalls drohe der Hälfte der Kinder der Tod. Erst im Oktober hatte der Verein in einer Luftbrücke Kabul-Hamburg 59 verletzte afghanische Kinder nach Deutschland gebracht. (feh/dpa)

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