Welt : Tod am Herrentag

Auf dem S-Bahnhof in Rostock haben sich zwei Männergruppen wegen eines Bollerwagens geprügelt – einer von ihnen wurde getötet

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Eine Überwachungskamera nahm dieses Foto auf, das das Opfer am Boden liegend zeigt. Das unscharfe Foto wurde gestern von der Polizei veröffentlicht. Foto: dpa
Eine Überwachungskamera nahm dieses Foto auf, das das Opfer am Boden liegend zeigt. Das unscharfe Foto wurde gestern von der...Foto: dpa

Bei einem Streit um das Aussehen von Herrentags-Bollerwagen ist in Rostock ein 44 Jahre alter Mann getötet worden. Weil die Schlägerei auf einem S-Bahnhof geschah, werden Erinnerungen an ähnliche Vorfälle in München und Berlin wach. Am Ende eines langen Ausflugstages warteten zwei Herrentags-Gruppen auf dem S-Bahnhof Rostock am Donnerstag auf den Zug. Inmitten zahlreicher Beobachter gerieten sie gegen 16 Uhr 30 in Streit darüber, welche Gruppe den besseren oder auch hübscheren Bollerwagen für Bier, Schnaps und Brötchen dabei habe. Während die eine Gruppe aus dem nahen Bad Doberan mit einem geschmückten Bollerwagen durch die Gegend gezogen war, hatten die fünf körperlich starken Männer der anderen Seite einen von einem Supermarkt entwendeten Einkaufswagen dabei. Jeweils vier bis fünf alkoholisierte Streithähne gingen aufeinander los und lieferten sich eine Schlägerei, die von den Überwachungskameras aufgezeichnet wurde.

Es wurde geschubst und geschlagen, aber bis dahin niemand ernsthaft verletzt, teilte die Rostocker Staatsanwaltschaft am Freitag mit. „Es wurde niemand gegen den Kopf getreten und auch auf keinen Liegenden eingeprügelt“, sagte ein Polizeisprecher. Als die Auseinandersetzung eigentlich beendet schien, ging jedoch ein 24-Jähriger der Einkaufswagen-Truppe auf einen 44-Jährigen aus Bad Doberan zu und versetzte ihm von hinten einen massiven Faustschlag gegen den Kopf. Das wahrscheinlich betrunkene Opfer stürzte vornüber und prallte mit dem Gesicht auf dem Bahnsteig auf, wobei es sich schwere Verletzungen zuzog.

Während die Gegner flohen, riefen die Freunde des Mannes einen Notarzt. Rund eine halbe Stunde lang versuchte er ihn zu reanimieren. Was anfangs offenbar gelang. Dennoch starb der Mann wenig später auf dem Weg ins Krankenhaus. Mithilfe der Videoaufzeichnungen konnte die Polizei drei Verdächtige aus der Einkaufswagen-Gruppe knapp drei Stunden später in einem Geschäft in der unmittelbaren Nähe des Bahnhofs festnehmen. Sie waren zu stark betrunken, um sie vernehmen zu können. Gegen den 24 Jahre alten Hauptbeschuldigten wurde inzwischen Haftbefehl wegen versuchten Totschlags erlassen. Die anderen beiden Männer im Alter von 23 und 29 Jahren wurden wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Polizei fahndet weiterhin nach zwei weiteren Männern, die an der Schlägerei beteiligt gewesen sein sollen. Für Rostocks Leitenden Oberstaatsanwalt Klaus Müller war der S-Bahnhof nur zufällig der Tatort. Der Streit hätte seiner Meinung nach auch jederzeit woanders ausbrechen können.

Der Bundesvorsitzende der deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, machte gestern die mangelnde Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr für die Vorfälle verantwortlich. Durch die Privatisierung von Bahn- und Busbetrieben „wurde an der Sicherheit gespart“.

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