Welt : Tod eines Paddlers

Der erfahrene Berliner Wildwasserfahrer Ulrich Timper verunglückte im Gailfluss – trotz dramatischer Rettungsversuche

Annette Kögel

Eigentlich war schon alles überstanden. Der Kenterunfall im Einerkajak auf dem Gailfluss in Österreich, so was passiert. Und der Wildwasserkanute Ulrich Timper hatte sich ja retten können, war durch die Gail zur linken Uferseite geschwommen. Doch da ging es nicht weiter, und die anderen neun Berliner Kajakfahrer warteten am anderen Ufer des Kärntener Flusses. So wollte der 57-jährige Naturwissenschaftler der Freien Universität Berlin die Gail zu Fuß durchqueren. Dieses Mal hat der Mann kein Glück: Er strauchelt, das milchige Gletscherschmelzwasser reißt ihn mit. Die Freunde versuchen noch minutenlang, ihm zu helfen. Doch die dramatische Rettungsaktion bleibt ohne Erfolg.

Wie erst jetzt bekannt wurde, war die Reisegruppe von Kajakfahrern aus Berlin an jenem 20. Mai gegen 16 Uhr zu ihrer Tour gestartet. Die Gail zählt zu den Wildwasserstrecken mittleren Schwierigkeitsgrades – und Timper war sehr erfahren. Das sagte Heribert Patterer, alpiner Einsatzleiter der Gendarmerie Kötschach-Mauthen, am Pfingstmontag auf Anfrage. Eigentlich hätte es auf der von Kanuten viel befahrenen Strecke keine Probleme geben dürfen. Doch der Fluss ist reißend, schließlich wälzen sich in diesen Tagen große Massen Schmelzwasser aus den Bergen in die Täler. Die Strömung im rund acht Meter breiten Flussarm bringt den 57-Jährigen aus dem Gleichgewicht. Der Mann, mit Helm und Rettungsweste vorschriftsmäßig ausgerüstet, meistert dies noch. Schließlich hat der FU-Dozent die lebensrettende Eskimorolle in seinen vielen Wanderpaddel- und Kanupolokursen an der Uni unzählige Male geübt.

Doch als er dann durch die Gail zum anderen Ufer laufen will, „ist er aus unbekannten Gründen niedergesessen“, wie Heribert Patterer es ausdrückt. Ein Kanute paddelt zu ihm hin, Ulrich Timper hält sich am Boot fest. Dann aber reißt der Strom beide Männer mit sich – durch einen quer liegenden Baum. Der Kanute verliert sein Paddel und muss sich nun selbst retten. Ulrich Timper wird weitergetrieben – gegen den Wurzelballen eines anderen umgestürzten Baumes. Die Freunde rennen hinterher und versuchen noch, ihn wegzuziehen. Doch die Strömung ist zu stark. Timper ertrinkt. Dies bestätigt auch der Arzt, die Leiche wird nicht obduziert. „Vielleicht war der Berliner körperlich nicht so gut in Form wie seine Kameraden, denn er trug einen Herzschrittmacher“, sagt der Gendarmerie-Einsatzleiter. In Berlin will der Arbeitskreis Sicherheit vom Landeskanu-Verband den Unfall prüfen, sagte Verbandspräsident Wolfgang Grothaus.

Jene, die das Geschehen aus nächster Nähe miterleben mussten, schreiben in ihrer Todesanzeige: „Du wirst auf jedem Fluss bei uns sein“.

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