Todesfall : Klausjürgen Wussow ist tot

Der Schauspieler Klausjürgen Wussow ist heute Mittag gestorben. Vielen wird er als Professor Brinkmann aus der "Schwarzwaldklinik" in Erinnerung bleiben.

Wussow
Klausjürgen Wussow in seiner Paraderolle als Professor Brinkmann. -Foto: dpa

Der Schauspieler Klausjürgen Wussow ist tot. Nach Angaben einer Sprecherin der Familie starb er heute um 12:35 in Berlin. Wussow, war in den vergangenen Monaten mehrfach im Krankenhaus. Ende Dezember wurde er in der Berliner Charité behandelt. Im August war der Schauspieler wegen einer Lungenentzündung auf die Intensivstation der Charité gebracht und nach seiner Erholung Mitte September wieder entlassen worden. Wussow lebte seit einiger Zeit in einem Seniorenheim in Rüdersdorf bei Berlin.

Wussow wurde am 30. April 1929 in Pommern geboren. Zu seinen Stationen seit 1948 gehörten das Hebbel-Theater in Berlin, das Theater am Schiffbauerdamm, die Städtischen Bühnen Frankfurt, Düsseldorf, Köln, Zürich und München. Von 1964 bis 1984 war er am Wiener Burgtheater. In seiner Theaterkarriere spielte er viele große klassische Rollen. Seinen Durchbruch im Fernsehen feierte Wussow 1970 mit der Reihe "Kurier der Kaiserin". Einem Millionenpublikum wurde er nicht nur durch die "Schwarzwaldklinik", sondern auch durch die Reihe "Klinik unter Palmen" bekannt.

Auf ewig Professor Brinkmann

Wohl kaum ein Schauspieler ist so mit einer Rolle identifiziert worden wie Klausjürgen Wussow mit Professor Brinkmann, dem Inbegriff des seriösen Mediziners. Die ZDF-Serie "Schwarzwaldklinik" von Wolfgang Rademann schrieb in den 80er Jahren Fernsehgeschichte. Amerika hatte "Dallas" und den "Denver Clan", Deutschland die pittoreske Klinik im Glottertal. Ein Millionenpublikum sah zu, wenn Professor Brinkmann, im weißen Kittel und mit markanten grauen Schläfen, Schwester Christa alias Gaby Dohm küsste.

Weißer Kittel, männliches Gesicht, sonore Stimme, ein Herz für seine Patienten: Für viele Zuschauer dürfte Wussow den Typ Mediziner verkörpert haben, den sie sich wünschen. Der Chefarzt, den er mit viel virilem Charme spielte, war dabei nur eine von 160 Rollen in der langen Karriere des Schauspielers, der 1970 als wild reitender "Kurier der Kaiserin" seinen ersten großen TV-Serienerfolg feiern konnte. Vom Burgtheater bis zu einem Fastauftritt bei "Big Brother": Wussows Leben hatte viele Höhen und Tiefen.

Im Sommer 2005 stand er 20 Jahre nach den ersten Dreharbeiten für die legendäre Serie wieder für die "Schwarzwaldklinik" vor der Kamera. Beim Publikum kam die Klinik-Nostalgie gut an, sein Film-Sohn Sascha Hehn spielte dabei den Chefarzt. Für Wussow war es "die Rückkehr ins seriöse Fach", wie er sagte.

Und die war nach Meinung vieler Kritiker nötig. So machte er davor mit einem geplanten Auftritt in der Containershow "Big Brother" Schlagzeilen. Die Hauptrolle in der Komödie "Prinz aus Wanne-Eickel" gab er an Trashkönig Jürgen Drews ab. Wussow schien vom Pech verfolgt: Bei einem Benefizabend brach er mit einem Kreislaufkollaps zusammen, einige Monate später wurde er wegen Fahrens ohne Führerschein verurteilt. Zuletzt war es still um ihn geworden. Im Winter 2005 sagte Wussow in einem Interview, er habe nach zwei Schlaganfällen dem Rotwein und den Zigaretten abgeschworen.

Mediziner aus Leidenschaft

Der Lehrersohn aus Pommern wollte ironischerweise ursprünglich Mediziner werden. Zu seinen Stationen seit 1948 gehörten das Hebbel-Theater in Berlin, das Theater am Schiffbauer Damm, die Städtischen Bühnen Frankfurt, Düsseldorf, Köln, Zürich und München. Von 1964 bis 1984 war er am Wiener Burgtheater. Viele große klassische Rollen hat Wussow gespielt, darunter Don Carlos, Faust, Mephisto und den Egmont. Claus Peymann wollte ihn allerdings seinerzeit wegen seiner Fernsehrollen nicht mehr an der altehrwürdigen "Burg" haben. Dem weißen Kittel blieb Wussow treu. Zu seinen TV-Erfolgen gehörten die "Klinik unter Palmen" und auch ein quotenstarkes Gastspiel in der Krankenhausserie "In aller Freundschaft".

Die große Theaterlaufbahn und die vielen Fernsehauftritte gerieten angesichts des Rummels um sein Privatleben oft in den Hintergrund. Viel böses Blut gab es nach seiner gescheiterten Ehe mit Ida Krottendorf, der Kontakt zu seinen Kindern Barbara und Alexander brach ab. Ein Tiefpunkt war die Dauerfehde mit seiner dritten Ehefrau Yvonne Wussow. Das Paar überbot sich in gegenseitigen Beschuldigungen, oft ging es um Geld oder es wurde über den gemeinsamen Sohn Benjamin gestritten. Yvonne Wussow starb im September 2006 an Krebs.

Auch in seiner vierten Ehe mit der Boxerwitwe Sabine Scholz gelang es ihm nicht, sein Privatleben und seinen Aufenthalt im Pflegeheim ganz aus den Medien herauszuhalten. Im Mai baten seine beiden erwachsenen Kinder Alexander und Barbara, beide ebenfalls Schauspieler, um Respekt für den schwer kranken Vater. Er solle "in Ruhe und Würde" gehen dürfen, "wie jeder Mensch". (mit dpa)