"Todespfleger" von Sonthofen : Nicht Mord, sondern Totschlag

Im Prozess gegen den so genannten "Todespfleger" von Sonthofen vor dem Landgericht Kempten sieht die Verteidigung einen großen Teil der vorgeworfenen Tötungsdelikte als widerlegt an.

Kempten - In den übrigen Fällen sei dem Angeklagten Stephan L. entgegen der Anklage auch nicht Mord, sondern nur Totschlag vorzuwerfen, sagte dessen Verteidiger Oliver Ahegger in seinem Plädoyer. Die Verteidigung bewertete bislang 19 der 28 Fälle von mutmaßlichen Tötungen, die dem 28-Jährigen vorgeworfen werden. In diesen Fällen fordert sie elf Mal Freispruch und in acht Fällen eine Verurteilung wegen Totschlags in minder schwerem Fall. Das Plädoyer für die übrigen neun Fälle sollte im Verlauf des Freitagvormittags folgen.

L. soll laut Anklage der Staatsanwaltschaft zwischen Anfang 2003 und Mitte 2004 im Krankenhaus von Sonthofen insgesamt 28 Patienten zu Tode gespritzt haben. Dies wäre die spektakulärste Serie von Patiententötungen in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die Staatsanwaltschaft bewertete die Taten in dreizehn Fällen als Mord, in vierzehn Fällen als Totschlag und in einem Fall als Tötung auf Verlangen. Sie fordert eine lebenslange Freiheitsstrafe sowie die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld, was eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren ausschließt. (tso/AFP)

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