Welt : Todesstrafe in USA: Erste Schwarze seit 1954 hingerichtet

Julia Thurau

Im amerikanischen Bundesstaat Oklahoma ist am Donnerstagabend (Ortszeit) die 41-jährige Mörderin Wanda Jean Allen hingerichtet worden. Wie US-Medien berichteten, starb Allen kurz nach 21 Uhr im Staatsgefängnis von McAlester an einer Giftinjektion. Sie ist die erste Frau, die in Oklahoma seit Staatsgründung im Jahr 1907 exekutiert wurde, und die erste schwarze Frau in den USA seit 1954. Zahlreiche Gruppen von Todesstrafengegnern hatten gegen diese Hinrichtung protestiert.

Wanda Jean Allen war 1988 für die von ihr gestandene Ermordung ihrer Freundin Gloria Leathers zum Tode verurteilt worden. Allen war zur Tatzeit bereits wegen Totschlags vorbestraft. Ihre Anwälte argumentierten, sie habe einen Intelligenzquotienten von 69 und sei geistesschwach. Außerdem sei ihr Verteidiger im Mordprozess von 1988 unerfahren gewesen. Der staatliche Begnadigungsausschuss und der Gouverneur von Oklahoma, Frank Keating, lehnten jedoch in dieser Woche eine Begnadigung oder einen Aufschub der Exekution ab. Keating befürwortet die Todesstrafe, obwohl er aktiver Katholik ist. Die katholische Bischofskonferenz der USA hat die Todesstrafe mehrfach mit Nachdruck abgelehnt. Noch am Donnerstag hatte der schwarze US-Bürgerrechtler Jesse Jackson Keating zu einer Aussetzung der Hinrichtungen aufgerufen.

Am Mittwoch war der Bürgerrechtler in Oklahoma City bei einer Demonstration gegen die Hinrichtung von Wanda Jean Allen festgenommen worden. Jackson hatte mit rund 300 weiteren Todesstrafengegnern vor dem Gefängnis demonstriert, in dem Allen zwölf Jahre lang in der Todeszelle saß. Zum letzten Mal war in den USA im Jahr 1954 mit Betty Butler in Ohio eine schwarze Verbrecherin hingerichtet worden. Nach der Wiedereinführung der Todesstrafe in den USA Ende der 70er Jahre wurden allerdings landesweit insgesamt sechs Frauen anderer Hautfarbe exekutiert.

In Oklahoma sind damit bereits zwei von insgesamt sieben im Monat Januar geplanten Hinrichtungen vollzogen worden. Todesstrafengegner sprechen von einer Hinrichtungswelle. In diesem Bundesstaat sitzen zur Zeit 132 Menschen in der Todeszelle. Im vergangenen Jahr hatte Texas mit 40 Exekutionen einen neuen Rekord für die jährliche Zahl von Hinrichtungen in einem einzelnen Bundesstaat der USA aufgestellt.

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