Welt : Tödlicher Fehler

Drei Babys in Israel starben an deutscher Sojamilch

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Berlin (pet). Am Ende war es doch menschliches Versagen. Nach dem mysteriösen Tod von drei Säuglingen in Israel und mehreren Erkrankungen war tagelang gerätselt worden, wer Schuld am dem Drama sein könnte. Schon früh war der Verdacht auf die Säuglingsnahrung des deutschen Herstellers Humana gefallen, doch der hatte noch am Montag jede Mitschuld von sich gewiesen. Am Dienstag um 13 Uhr kam für die Herstellerfirma dann doch die Gewissheit. „Wir haben einen deklaratorischen Fehler gemacht“, sagte Rolf Janshen, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Humana Milchunion Unternehmensgruppe aus Herford, dem Tagesspiegel. Bei der Berechnung des Vitamingehalts für die sojahaltige Säuglingsnahrung Remedia Super Soya 1, das nur für den israelischen Markt produziert wird, sei man von falschen Annahmen ausgegangen. Ursache sei menschliches Versagen in der Produktionskontrolle gewesen.

Ein Fehler mit furchtbaren Folgen: Die israelischen Gesundheitsbehörden gehen dem Verdacht nach, dass durch die fehlenden Zusätze von Vitamin B1 (siehe Kasten) in der Säuglingsnahrung drei Babys ums Leben gekommen sind. Das erste Baby starb nach Angaben des Gesundheitsministeriums bereits im Juni, kurz nachdem die Milch in neuer Zusammensetzung auf den israelischen Markt gekommen war. Zwei weitere Todesfälle wurden seit Anfang November gemeldet. Mehr als 20 Kinder seien erkrankt. Sie zeigten Symptome wie Erbrechen, Durchfall und Unruhe. Am vergangenen Sonnabend hatte das Gesundheitsministerium die Babynahrung vom Markt genommen. Israel hatte auch die Geheimdienste Mossad und Schin Bet in die Ermittlungen eingeschaltet, schreibt die israelische Tageszeitung „Haaretz“ – wegen Verdachts auf einen Angriff gegen das israelische Volk. Nach der Aufklärung der Ursache sind viele Israelis empört, weil sie das Gefühl hätten, Deutsche würden ihnen minderwertige „DritteWelt-Lebensmittel“ liefern, während die eigenen Produkte in Ordnung seien.

Die Sojamilch, die für den deutschen Markt hergestellt wird, ist in der Tat fehlerfrei. Der Fehler war bei der Umstellung auf eine neue Rezeptur für den israelischen Markt passiert. Im Frühjahr dieses Jahres waren nach Angaben von Humana die Rezepturen der beiden Vorgängerprodukte als Grundlage genommen worden, um mit der israelischen Firma Remedia zusammen eine neue koschere Nahrung für das erste Lebensjahr zu entwickeln. „Dabei sind die Analysedaten der vorhergehenden Rezepturen falsch interpretiert worden“, sagte Janshen. „Wir sind von falschen Annahmen ausgegangen.“ Normalerweise hätte man diesen Fehler durch eine weitere, externe Prozesskontrolle heilen können, in diesem einen Fall sei das aber nicht erfolgt, wie eine betriebsinterne Kontrolle ergeben habe. Janchen kündigte personelle Konsequenzen an.

Noch am Montag hatte Humana den Vorwurf der israelischen Behörden zurückgewiesen, dass die Erkrankungen auf einer Unterversorgung mit dem Vitamin B1 beruhen könnten. Die Begründung: Schon allein die Zutaten der Babynahrung wiesen einen natürlichen Gehalt an Vitamin B1 auf. Das war nicht falsch. Es war aber viel zu wenig Vitamin B1 in der Nahrung.

Auch große Babynahrungshersteller wie Nestlé (Alete, Beba) oder Hipp schlossen ähnliche Vorfälle für ihre Produkte aus. Beide Hersteller produzierten keine Babymilch auf Sojabasis. Die Nestlé-Qualitätssicherung garantiere bei allen Babyprodukten durch Kontrollen jeder Charge die richtige Zusammensetzung. Zusätzlich würden die Produkte durch unabhängige Institute überprüft, hieß es bei Nestlé. Auch Hipp wies darauf hin, dass die Produkte streng geprüft würden.

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