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Tödlicher Unfall in Kali-Grube in Thüringen : Trauer und Stille nach dem Unglück

Nach dem Tod von drei Bergleuten bei einem Gasausbruch in einer Kali-Grube im thüringischen Unterbreizbach haben Staatsanwaltschaft und Bergamt die Ermittlungen aufgenommen. Bei Sprengarbeiten war Kohlendioxid freigesetzt worden, was eine enorme Druckwelle unter Tage ausgelöst hatte.

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Bei dem Unfall in der Kali-Grube waren sieben Bergleute unter Tage.
Bei dem Unfall in der Kali-Grube waren sieben Bergleute unter Tage.Foto: dpa

Am Tag nach dem schweren Grubenunglück im Kalischacht Unterbreizbach an der Grenze zwischen Thüringen und Hessen herrscht tiefe Trauer in dem kleinen Ort. Die Fahnen vor dem Rathaus hängen auf Halbmast und vor dem Werksgelände brennen Kerzen als Zeichen der Trauer um die drei ums Leben gekommenen Bergleute. Seelsorger kümmern sich um deren Angehörige und um die vier Kumpel, die sich noch rechtzeitig vor der riesigen Gaswolke aus Kohlendioxid in Sicherheit bringen konnten. In den Straßen herrscht eine große Stille. Die Einwohner haben sich in ihre Häuser zurückgezogen, sind doch die meisten auf irgendeine Weise mit dem vor 100 Jahren begonnenen unterirdischen Abbau von Kalisalzen verbunden. „Tragisch“ und „unerklärlich“, heißt es immer wieder von den wenigen Passanten. Bis auf weiteres wurden alle Schichten abgesagt. Die Grube bleibt wahrscheinlich noch mehrere Tage gesperrt. Die Werksleitung bereitet eine Trauerfeier für die Toten vor.

   Gaswolke durch Routine-Sprengung ausgelöst

  Über die möglichen Ursachen des schweren Unglücks hält sich Konzern K + S Kali GmbH noch zurück. Staatsanwaltschaft und Bergamt haben die Ermittlungen aufgenommen. Fest steht bisher, dass eine gewaltige Gaswolke durch eine routinemäßige Sprengung in etwa 900 Meter Tiefe ausgelöst worden war. Kurz nach 13 Uhr wurden demnach die in Bohrlöchern befindlichen Sprengladungen von Übertage aus gezündet. Damit wird üblicherweise das mehr als 250 Millionen Jahre alte Kalkgestein in einzelne Brocken gelöst, die später mit Radladern an einen anderen Ort in dem riesigen unterirdischen Labyrinth transportiert werden. Die Ausmaße der Straßen und Plätze in dieser Tiefe verglich ein Fachmann am Mittwoch allein in dieser thüringisch-hessischen Region mit der Größe des Stadtgebietes von München.

   

Hunderttausende Kubikmeter Gas könnten sich explosionsartig ausgebreitet haben.

Zum Zeitpunkt der täglich drei Sprengungen hält sich kein Bergmann in der Nähe auf. Erst prüft ein siebenköpfiger Trupp als „Vorbefahrer“ die Reinheit der Luft, um das  Gebiet anschließend freizugeben. Genau diese Vorarbeiter müssen aber in rund 700 Meter Tiefe von der ungewöhnlich großen Kohlendioxidblase überrascht worden. Nur vier Männer konnten sich in Sicherheit bringen. Drei Kumpel im Alter von 25, 50 und 56 Jahren sind aber höchstwahrscheinlich erstickt.

      Das in Ritzen und Hohlräumen eingeschlossene Kohlendioxid ist nach Angaben von Professor Reinhard Schmidt von der Bergakademie Freiberg vulkanischen Ursprungs. Es trete bei jeder Sprengung untertage auf. „Aber ein Kohlendioxid-Ausbruch in dieser Größe war nicht vorhersehbar“, sagte der Fachmann im MDR-Fernsehen. Hunderttausende Kubikmeter Gas könnten sich explosionsartig ausgebreitet haben.

   

  Diesen Eindruck bestätigen auch Augenzeugen vor Ort. Ein Mann filmte mit seinem Handy die gewaltige Salz- und Staubwolke, die nach der Sprengung aus dem Schacht an die Oberfläche geschleudert worden war. Die Rauchsäule konnte noch in weiter Entfernung beobachtet werden.

   Strenge Sicherheitsvorschriften in dem Bergwerk

Wie Bergleute in Unterbreizbach berichteten, bestehen in dem Bergwerk strenge Sicherheitsbestimmungen. So seien die Bergleute mit einem Sauerstoffselbstretter ausgestattet, die ein Überleben für mindestens 50 Minuten garantierten. In diesem Zeitraum müssten sie dann einen Sicherheitsraum aufsuchen, der ausreichende belüftet sei. Auch alle Besucher, die in den unterirdischen Schacht einfahren, erhalten eine solche Ausrüstung. Aber offensichtlich breitete sich die Gaswolke so schnell aus, dass den drei verunglückten Bergleuten keine Zeit mehr zur Rettung blieb.

  

In der großen Anteilnahme am Tod der Männer drückt sich nicht zuletzt die große Bedeutung des Kali-Bergbaus in der Region aus. „K + S“ beschäftigt deutschlandweit 8 000 Menschen, davon allein in Thüringen rund 1 000. Vor der Wende verdienten hier allerdings noch bedeutend mehr Frauen und Männer ihr Brot. Unvergessen bleibt der Kampf der 2 000 Kumpel im nicht weit entfernten Bischofferode 1993. Mit Betriebsbesetzung und Hungerstreiks wollten sie die Schließung des Schachtes verhindern. Heute gibt es an dieser Stelle nur noch ein Museum. Es zeigt auch den Hauptverwendungszweck der abgebauten Kali-Salzes: es dient als Düngemittel für die Landwirtschaft.

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