Welt : Tödliches Tempo

Verunglückte U-Bahn beschleunigte vor dem Halt

Ralph Schulze

Valencia - Drei Tage nach der schlimmsten U-Bahn-Katastrophe in der Geschichte Spaniens kehrte am Mittwoch langsam die Normalität in die Mittelmeerstadt Valencia zurück. Die Züge der Linie Nummer eins, auf deren Strecke sich am Montag ein U-Bahn-Wagen überschlug und 41 Menschen unter sich begrub, nahmen den Betrieb wieder auf. Auch das Weltfamilientreffen, das Papst Benedikt am Sonntag mit einem Freiluft-Gottesdienst beenden wird, lief weiter.

Die Polizei versucht jetzt herauszufinden, warum der Fahrer des Unglückszuges vor der Einfahrt zur Haltestelle „Jesus“ mit Vollgas in eine gefährliche Kurve raste. Der 40-Jährige wurde als „fleißig und verantwortungsvoll“ beschrieben und hatte seinen Job erst vor wenigen Monaten angetreten. Er gehört zu den 41 Todesopfern der Tragödie.

Mit der vom Fahrtenschreiber gemessenen Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern in die Einfahrtskurve zu rasen, in der nur Tempo 40 erlaubt war, wird von Experten als selbstmörderisch beschrieben. „Das ist so, als ob jemand mit dem Auto mit 140 in die Garage fährt“, sagt ein Sprecher der Nahverkehrsgewerkschaft. Man gehe aber nicht von einer bewussten Kamikazefahrt aus, sondern glaube, dass der Fahrer plötzlich ohnmächtig geworden oder aus anderen Gründen „nicht in der Lage war, zu reagieren“, teilten die Behörden mit. Gleichwohl überprüft die Polizei derzeit auch das Privatleben des Fahrers.

Spuren von Alkohol, Medikamenten oder Drogen wurden einer ersten Autopsie zufolge nicht gefunden. Auch ein technisches Versagen wurde als Unglücksursache ausgeschlossen. Anti-Terror-Experten fanden keine Reste von explosiven Stoffen am Unglücksort.

Kritik wurde daran laut, dass die U-Bahn, die 1988 als erste Strecke in Valencia in Betrieb genommen wurde, noch kein automatisches Bremssystem hat.

Am Dienstagabend waren Spaniens König Juan Carlos und Königin Sofia zu einer Trauerfeier für die Opfer nach Valencia gekommen.

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