"Tötungsautomat" : Rechtspopulist Kusch will Sterbewilligen helfen

Die Debatte um die Sterbehilfe geht unfreiwillig skurile Wege. Ein ehemaliger Hamburger CDU-Politiker sieht in der automatisierten Todesspritze einen humanen Weg, den eigenen Leidensweg zu beenden. Die Ärztekammer hält ihn für einen skrupellosen Scharlatan.

Roger Kusch
Hamburgs Ex-Justizsenator Roger Kusch will dem Leiden mit dieser Maschine ein Ende machen. -Foto: dpa

HamburgDer ehemalige Hamburger Justizsenator Roger Kusch ("Rechte Mitte Heimat Hamburg") will Schwerkranken mit einer so genannten Selbsttötungsmaschine den Suizid ermöglichen. Der Injektionsautomat von der Größe eines halben Schuhkartons biete einen schmerzfreien Soforttod, sagte der Rechtspopulist Kusch. Mit einem Knopfdruck könnten Todkranke die Maschine in Gang setzen. Aus zwei Spritzen presst die Maschine gleichzeitig 20 Milliliter Narkotikum und Kaliumchlorid in die Venen. Zuvor muss ein Arzt, dem Kusch Anonymität zusichern will, lediglich eine Kanüle legen.

Der Ex-Senator hält die Methode rechtlich für straffrei, da der Sterbewillige mittels des Knopfes die Entscheidung über Leben und Tod selbst trifft. "Der Vorgang dauert vier Minuten und ist zu hundert Prozent tödlich", erklärte der 53-Jährige, der von 2001 bis 2006 Justizsenator der Hansestadt war.

Ärtztekammer: Kusch ist skrupellos

Der Präsident der Hamburger Ärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, übte heftige Kritik an Kusch: "Es ist unerträglich, wie dieser Mann die Ängste der Menschen vor dem Tod missbraucht, um sich selbst zu inszenieren." Es werde keine Tötungsmaschine gebraucht, sondern eine Sterbebegleitung und palliativ-medizinische Betreuung, die den Menschen am Ende ihres Lebens Schmerzen und Ängste nehme. "Die Tatsache, dass Kusch dieses Verfahren jetzt propagiert, zeigt seine Skrupellosigkeit", betonte Montgomery.

Nach seiner Entlassung als Senator durch Bürgermeister Ole von Beust (CDU) trat Kusch aus der CDU aus und gründete 2006 die Partei "Rechte Mitte Heimat Hamburg". Die rechtsgerichtete Partei erhielt bei der Bürgerschaftswahl Ende Februar 0,5 Prozent der Stimmen. Daraufhin hatte Kusch seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. "Rechte Mitte Heimat Hamburg" wird sich Kusch zufolge am 7. April auf einem Parteitag auflösen. Er will künftig als Rechtsanwalt arbeiten. (ml/ddp)

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