Tokio Hotel : Frauen sollen im Bett ruhig sein - oder schreien

Tom Kaulitz, Gitarrist der Teenie-Band Tokio Hotel, ist gerade erst volljährig geworden. Macho-Sprüche hat er aber schon drauf wie ein ganz Großer. Ob die Mädchen nach seinen jüngsten Äußerungen weiter auf ihn fliegen?

071114tokio_hotel
Tom Kaulitz (2.v.l.) nimmt den Mund ganz schön voll. -Foto: ddp

München"Wenn ich ehrlich bin, glaube ich nicht an Liebe. Außer an die Liebe für eine Nacht", sagte der 18-Jährige Tom Kaulitz der Zeitschrift "Max". Auch das Wesen seiner wechselnden Freundinnen, die er "nie länger als zwei Tage" habe, ist ihm egal. "Bei einer Nacht geht's ja nun wirklich nicht um den Charakter."

Der seit dem 1. September volljährige Kaulitz zeigt dabei auch bei seinen Vorstellungen von einer gelungenen Liebesnacht die Charakterzüge eines eingefleischten Machos: "Beim Sex sollten Frauen ruhig mal ein bisschen weniger erzählen. Schreien ist in Ordnung."

"Wie Jungs sein sollen"

"Schrei" hieß bezeichnenderweise auch schon das Debütalbum, das Tokio Hotel mittlerweile bereits millionenfach verkauft haben. Über ihre Musik wird dabei selten geredet. In einem Videoclip sagt ein Mädchen: Tokio Hotel seien so, "wie Jungs sein sollen". Mehr bedarf es eigentlich auch nicht, um das Phänomen zu erklären. Denn obwohl die Band, die 2001 in Magdeburg unter dem Namen Devilish zusammenfand, keine Boygroup ist, verkörpern die vier Burschen eine breite, spannungsreiche Palette jugendlicher Rollenmodelle.

Da ist Bassist Georg, der Britpop mag, meistens schweigt und alles zu durchdringen scheint, aber sich vor lauter Schüchternheit am liebsten unsichtbar macht. Außerdem Gustav, Schlagzeuger, Punk-Fan und eine Art Samweis Gamdschi des Unternehmens, an dessen treuem Mondgesicht jeder Starruhm abzuperlen scheint. Schließlich die exzentrischen Zwillinge Tom an der Gitarre und Bill, der Sänger: zwei Styling-Götter ihrer Generation. Wobei Tom mit seinen Dreadlocks und dem lässigen Hip-Hop-Gebaren deutlich rebellischere Züge trägt als der im Dauerrampenlicht stehende Bruder. Der ist ein irritierend geschlechtsloses Geschöpf, mit Porzellanhaut und einer prachtvollen Simba-Mähne, die das überzeichnete Manga-Image der Band weitertreibt.

Nicht zuletzt wegen der anhaltend intensiven Berichterstattung in Magazinen wie "Popcorn" und "Star Flash" werden die Musiker als intime Vertrauenspersonen erlebt. Vor allem Marktführer "Bravo" inszeniert sie wie Figuren einer Sitcom. Erst darf Bill erzählen, dass er seit zwei Jahren kein einziges Mädchen mehr geküsst hat, dann berichtet sein Bruder detailliert von der Nacht, in der plötzlich ein Mädchen vor seiner Zimmertür stand ("So ist Sex mit einem Fan!"). Das ist angewandte Aufklärung. (mit Tsp/AFP)

0 Kommentare

Neuester Kommentar