Welt : Toronto sieht Ende der Sars-Krise

Nach Reisewarnung der WHO Millionen-Verluste im Tourismus

Matthias B. Krause[Toronto]

Als vor drei Tagen die Baseball-Spieler der New York Yankees bei den Toronto Blue Jays zu Gast waren, trug deren japanischer Schlagmann während der gesamten Partie eine Atemschutzmaske. Das sind die Bilder aus der kanadischen Metropole, die derzeit um die Welt gehen und Torontos Bürgermeister den Angstschweiß auf die Stirn treiben. In einem dramatischen Appell forderte Mel Lastman nun seine Landsleute auf, trotz Sars-Angst am Wochenende nicht zu Hause zu bleiben, sondern zusammen zu stehen, auszugehen und die Geldbörsen zu öffnen.

Die Wirtschaft der größten Stadt des Landes leidet schwer unter den Folgen der Sars-Krise. Ökonomen beziffern die Kosten auf rund 30 Millionen Dollar täglich. Hotels und Restaurants haben bereits Hunderte Mitarbeiter entlassen, weil zahlreiche Kongresse und Reisegruppen ihre Trips kurzfristig gestrichen hatten. Der Tourismus-Sektor ist mit 95 000 Angestellten der zweitgrößte Wirtschaftszweig der Stadt nach dem Finanzsektor. Entsprechend verheerend wirkte somit auch der Aufruf der Weltgesundheitsorganisation WHO vom Mittwoch, Toronto als Reiseziel für die nächsten drei Wochen zu meiden.

Die WHO-Warnung traf die Verantwortlichen in Kanada überraschend. Sie sind der Überzeugung, das Schlimmste sei überstanden. 16 Menschen starben in den vergangenen sieben Wochen in Toronto an dem Virus, es gibt im Augenblick noch 257 Verdachtsfälle. Damit ist die Metropole zwar so stark von der Krankheit betroffen wie keine andere außerhalb Asiens, doch seit Mittwoch waren keine neuen Fälle mehr berichtet worden. Lastman warf der WHO deshalb eine Überreaktion vor. Der Chef der Gesundheitsbehörde des Bundesstaates Ontario, Colin D’Cunha, sprang ihm bei. Die jüngsten Zahlen sind ermutigend, sagte er, Toronto ist immer noch ein sicherer Platz zum Leben oder für Besuche.

Dennoch gelang es den Kanadiern nicht, die WHO zur Rücknahme ihrer Warnung zu bewegen. Sie argumentiert, es seien Sars- Fälle in Australien, in den USA und auf den Philippinen aufgetreten, deren Überträger aus Toronto kamen. Die kanadischen Verantwortlichen bestreiten das. Zudem lägen die fraglichen Fälle mehr als zehn Tage zurück und würden somit nicht das aktuelle Risiko belegen. Doch selbst wenn tatsächlich das Schlimmste überstanden ist, werden die wirtschaftlichen Folgen das gesamte Land noch lange beschäftigen.

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