Totales Rauchverbot : Feldzug gegen den Qualm in Spaniens Bars.

Spaniens Gesundheitsministerin will mit einem totalen Qualmverbot in allen öffentlich zugänglichen Räumen gegen Tabakfreunde zu Felde ziehen. Das dürfte schwer werden, denn über Verbote setzen sich das Volk mit schöner Regelmäßigkeit hinweg.

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An Verboten haben sich die Spanier noch nie groß gestört: Rote Ampeln werden von Fußgängern grundsätzlich ignoriert. Autofahrer setzen sich mit unschöner Regelmäßigkeit über das Alkoholverbot genauso hinweg wie über Tempolimits. Und Hundebesitzer lassen ihre Vierbeiner auf Bürgersteigen Haufen machen, obwohl dies sogar im Land der unbegrenzten Lebensfreude unter Strafe steht. Entsprechend werden auch die löchrigen Rauchverbote eher selten eingehalten, was Spaniens Gesundheitsministerin Trinidad Jimenez auf die Palme bringt. Nun will sie mit einem totalen Qualmverbot gegen die Tabakfreunde zu Felde ziehen.

Das Rauchen in allen öffentlich zugänglichen Räumen und Sälen soll untersagt werden. „Zum allgemeinen Wohl“, wie die Ministerin verkünden lässt. Nur Open-Air-Areale wie Stierkampf-Arenen, Fußballstadien oder auch Biergärten werden vom Verbot ausgenommen. Das bedeutet vor allem, dass die mehr als 400 000 Bars, Restaurants und Diskotheken in Spanien die zahlreichen Raucher vor die Tür schicken müssen. Und deswegen um ihre Geschäfte fürchten, die ohnehin im krisengebeutelten Spanien nicht mehr so gut wie früher laufen. Das geplante Rauchverbot werde endgültig „der Ruin“ für viele Wirte sein, klagt der Branchenverband FEHR.

Und ob Jiminez Fehde gegen den Tabak bei der Bevölkerung gut ankommt, ist ungewiss. Zumindest steigen derzeit, wie spanische Drogenforscher berichten, der Alkoholkonsum und der Tabakgenuss unter der südlichen Sonne an. Offenbar, so mutmaßen die Wissenschaftler, weil wegen immer mehr Arbeitslosigkeit und wachsender privater Verschuldung zunehmend das Bedürfnis besteht, die Sinne zu betäuben.

Bisher konnten sich alle kleinen Lokale aussuchen, wie sie es mit dem Rauchen und dem Rauchverbot halten wollten. Mit dem Ergebnis, dass 99 Prozent den blauen Dunst erlaubten. Die größeren Etablissements waren verpflichtet, getrennte Rauchersäle einzurichten, was aber die meisten Wirte geflissentlich ignorierten.

Ministerin Jimenez glaubt derweil nicht an den Untergang der Gastronomie, wenn der Qualm gänzlich verbannt wird. In anderen Ländern mit totalem Rauchverbot, etwa beim Nachbarn Frankreich, habe man „keine negativen Auswirkungen“ auf den Umsatz in den Wirtshäusern feststellen können. Hingegen töte der Tabak jedes Jahr allein in Spanien annähernd 50 000 Menschen. Darunter etwa 1400 „Passivraucher“ wie Kellner, die durch die dicke Luft am Arbeitsplatz erkrankten.

Auch König Juan Carlos, dem vor kurzem ein Geschwür aus der Lunge entfernt wurde, zählte bis vor kurzem zu Spaniens großer Rauchergemeinde. Der König musste nun aber schon vor dem neuen Gesetz, das mit großer Mehrheit vom Parlament auf den Weg gebracht und von 2011 an gelten soll, die Finger vom Tabak lassen: Die Ärzte haben dem 72jährigen das Qualmen streng verboten.

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