• Tote Chinesin in Dessau: Verwandt mit dem Tatverdächtigen: Ministerium entzieht Polizei die Ermittlungen

Tote Chinesin in Dessau : Verwandt mit dem Tatverdächtigen: Ministerium entzieht Polizei die Ermittlungen

Ein Mordfall um eine chinesische Studentin in Dessau wirft viele Fragen auf. Hat die Polizei die Täter gedeckt? Die Mutter eines Verdächtigen ist Polizistin.

Polizisten suchen am 13.05.2016 in Dessau-Roßlau (Sachsen-Anhalt) nach dem Fund einer Frauenleiche nach Spuren. Foto: dpa
Polizisten suchen am 13.05.2016 in Dessau-Roßlau (Sachsen-Anhalt) nach dem Fund einer Frauenleiche nach Spuren.Foto: dpa

In Zusammenhang mit den Ermittlungen zum Tod einer chinesischen Studentin in Dessau-Roßlau in Sachsen-Anhalt haben die Eltern des Tatverdächtigen, die bei der Polizei arbeiten, den Verdacht der Manipulation zurückgewiesen. „Ich hatte weder zu den Akten noch zu den Asservaten und Spuren Zugang“, sagte die Mutter in einem Interview der „Mitteldeutschen Zeitung“. Der Stiefvater des 20-jährigen Verdächtigen sagte zum Vorwurf, bei einem Umzug des Sohnes kurz nach der Tat Beweise beiseite geschafft zu haben: „Ich war nicht in der Wohnung.“ Er habe für den Umzug nur Möbel zu der neuen Wohnung gefahren.

Die 25 Jahre alte Chinesin war am 11. Mai nicht mehr von Joggen zurückgekommen. Wenig später wurde ihre Leiche entdeckt. Keine zwei Wochen dauert es, bis der Leitende Oberstaatsanwalt Folker Bittmann vor die Kameras tritt und einen Ermittlungserfolg verkündet: Einem jungen Pärchen aus Dessau – beide 20 Jahre alt – wird vorgeworfen, die Chinesin ermordet zu haben.

Was der Oberstaatsanwalt nicht sagte

Der junge Mann erschien von sich aus bei der Polizei. Bei seiner Aussage gab er zu, dass die fremden DNA-Spuren an der Leiche der Chinesin von ihm stammen könnten, weil er und seine Freundin sich mit der Asiatin zum einvernehmlichen Sex getroffen hätten. Bittmann meldet Zweifel an der Version.

Bei der Pressekonferenz geht er auch auf die Mutter des Verdächtigen ein. Was er nicht sagt: Die Mutter ist Polizistin, ebenso der Stiefvater des Tatverdächtigen. Unter Medienvertretern kursieren die Informationen schon früh. Und Spekulationen über mögliche Einflussnahmen werden laut. Dann taucht das Gerücht auf, die Eltern hätten dem Sohn beim Umzug aus dem Haus geholfen, das die Ermittler als Tatort ausgemacht haben – und zwar kurz nach dem Mord.

Das Innenministerium von Sachsen-Anhalt reagiert einen Tag nach der Pressekonferenz und entzieht der Dessauer Polizei die Ermittlungsleitung. Am Montag will Sachsen-Anhalts Generalstaatsanwalt Jürgen Konrad zudem entscheiden, ob auch eine andere Anklagebehörde zuständig werden soll. Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass es Verquickungen gibt. (dpa)

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